Zum Ende der Ferien…

Zum Zeitpunkt der Verschriftlichung meiner Gedanken neigen sich die Ferien, gerne auch als „unterrichtsfreie Zeit“ bezeichnet, bereits wieder einmal ihrem Ende zu. Dabei stellt sich in mir das Gefühl ein, dass diese wieder einmal viel zu schnell vorüber gegangen sind. Gerade nach der Hälfte der Zeit empfinde ich stets so, als würde die Zeit nur so davonrennen. Wenn ich könnte, würde ich sie festhalten. 

Dabei frage ich mich aber gleichzeitig, woher dieses Gefühl stammt. Rührt dies nicht viel mehr daher, dass ich eigentlich nur ausgelaugt bin? Um es mit den Worten Erhard Blancks (*1942), eines deutschen Heilpraktikers, Schriftstellers und Malers, auszudrücken: „Lehrer werden immer leerer.“ Ich sehe in diesen Worten viel Wahres. Selbstverständlich lässt sich dieser Satz unterschiedlich interpretieren. Ich verstehe dies Satz so, als würden Lehrkräfte stetig ausgelaugter. So fühle ich mich oft ebenfalls. Es ist, als würde ich mich nie richtig erholen können. Dabei sollten die Ferien doch genau hierzu dienen. 

Ferienzeit = Korrekturzeit

Seien wir ehrlich, so dienen Schulferien stattdessen oftmals der Korrektur von Klassenarbeiten oder Klausuren. Alles, was liegengeblieben ist, wird dann endlich erledigt. Dabei bleibt allerdings eines außer Acht: dass Lehrkräfte auch mal Zeit zur Erholung brauchen. 

Der Beruf der Lehrperson verlangt immer mehr. Neben der Unterrichtsvorbereitung und des eigentlichen Unterrichtens, der Erstellung von Klassenarbeiten/Klausuren und deren Korrektur sowie der Notengebung gehören noch viele weitere Aufgaben zum Tätigkeitsfeld einer Lehrkraft. So sind Konferenzen jeglicher Art verpflichtend, wie auch Vertretungsunterricht, Zeugnisberichte, Elterngespräche, Sprechprüfungen (inklusive Vorbereitung), Klassenreisen und Ausflüge mitsamt der Organisation, Berichte über ungewöhnliche Vorkommnisse, das Beantworten von gefühlt 1000 Fragen und, und, und. Idealerweise sollten wir unser Unterrichtsmaterial noch dazu auf drei verschiedene Schwierigkeitsniveaus vorbereiten, um auf alle verschiedenen Leistungsstufen der einzelnen Schüler*innen einzugehen. 

Selbstverständlich wird diese Vielfalt an Aufgaben, die inzwischen Teil des Berufs der Lehrkraft sind, nicht von allen Lehrern*innen gleichermaßen als übermäßig viel empfunden. Ich gehe an dieser Stelle jedoch von dem Teil aus, der die Vielzahl an Tätigkeiten als erschöpfend empfindet.

Arbeit und Lohn 

Außenstehende Personen vertreten schnell die Einstellung, dass wir übertreiben, wenn wir uns beschweren, wo wir doch gleichzeitig gut bezahlt werden. Gleichermaßen sollte man sich jedoch bewusst machen, dass der Lohn einer Lehrkraft nicht parallel zur Multiplizierung der Aufgaben angestiegen ist. Die zu unterrichtende Stundenzahl ist immer noch dieselbe. Der Rest folgt davor oder danach. 

Noch dazu besagt unser Arbeitsvertrag nicht, wieviele Stunden wir zu arbeiten haben. Es ist lediglich klar, wieviele Unterrichtsstunden für eine volle Stelle nötig sind. Was abseits des eigentlichen Unterrichtens geschieht, liegt in unserem eigenen Ermessen. Wir müssen entscheiden, wieviel Zeit wir für alles aufbringen wollen. Wer es schafft, schneller zu arbeiten, hat Glück gehabt, wem dies schwerfällt, hat eben Pech. Noch dazu benötigen einige Fächer weniger Zeit als andere. Somit haben auch die Lehrkräfte, die diese Fächer unterrichten einen Vorteil. Ein Unterschied in der Bezahlung wird meines Wissens nach nicht gemacht. Noch dazu wird nicht in Betracht gezogen, wieviel Arbeit wirklich zu Hause geschieht. Das Privatleben hat hier zurückzustecken. 

Feierabend für Lehrkräfte!?

Zusätzlich haben die Menschen, die im Büro arbeiten, in der Regel feste Arbeitszeiten und können nach der Arbeit Feierabend machen. Für Lehrkräfte geht es nach dem Unterrichten erst richtig los. Dann geschieht alles andere, was bedeutend mehr Zeit benötigt. 

Eigentlich sollten wir den Schülern*innen Dinge beibringen und das bestenfalls zugeschnitten auf die verschiedenen Lerntypen und Niveaus und das in ansprechender und motivierender Weise. Dafür steht oftmals aber gar nicht ausreichend Zeit zur Verfügung. 

Gerade in Fremdsprachen dauert die Korrektur länger. Ich weiß, dass ich mir meine Fächer (Englisch und Französisch) selbst ausgewählt habe. Dennoch darf nicht ignoriert werden, wieviel Arbeit darin steckt. Korrekturen dauern einfach irrsinnig lange. Dann noch zu erwarten, dass der Unterricht auf alle verschiedenen Lernniveaus ausgerichtet und jegliche ideale Arbeitsweise für jede*n einzelne*n Schüler*in in Betracht gezogen wird, kann nicht verlangt werden.

Was tun? 

Viel im Voraus zu planen und soviel wie möglich während der Unterrichtstage zu erledigen hilft natürlich in gewisser Weise, in den Ferien etwas mehr Luft holen zu können. Gleichzeitig dürfen wir uns aber auch keine Illusionen machen. Mitunter hat man während der Wochen zwischen den Ferien toll geplant, wie man die ganze anfallende Arbeit bewältigen kann. An der Ausführung hapert es dann aber oftmals doch. Schließlich überrascht uns unser Alltag doch immer wieder. Unvorhergesehenes macht unsere Planung zunichte. 

Oftmals wird empfohlen, sich auf die wichtigsten Aufgaben des Arbeitslebens zu konzentrieren. Im Lehrerberuf gestaltet sich dies allerdings oftmals schwierig. Schließlich verlangt der Arbeitsalltag insgesamt sehr viel von uns ab. Eine hilfreiche Methode ist dennoch, alle Aufgaben, die es in der nahen Zukunft zu erledigen gilt, zu notieren. Teilt man diese Aufgaben daraufhin chronologisch ein – was ist zeitlich zuerst zu erledigen und was folgt danach -, so hilft dies, sinnvoll voranzugehen und sich nicht komplett zu verlieren. Insgesamt müssen aber dennoch alle Aufgaben erledigt werden. 

Ich versuche, mindestens eine bis drei wichtige Aufgaben pro Tag zu bewältigen. Die Anzahl variiert je nach Zeitaufwand der einzelnen Aufgaben. Hierdurch bleibt in der Regel noch Zeit vor mich und gleichzeitig habe ich das Gefühl, gut vorangekommen zu sein. Bei Klausuren, gerade Abiturklausuren, ist dies zwar allgemein nicht an einem Tag zu schaffen, aber andere Aufgaben oder zumindest wichtige Teilaspekte lassen sich gut an einem Tag erledigen. 

Fazit 

Durch die riesige Anzahl an Aufgaben, die der Lehrberuf mit sich bringt, kommt es mir und anderen Lehrkräften oftmals so vor, als würde man ununterbrochen arbeiten. Ein Gefühl der Leere und der Erschöpfung macht sich breit. Die Schulferien, die dabei eigentlich zur Erholung gedacht sein sollten, reichen dabei kaum aus, um sich wirklich ausreichend ausruhen zu können. Häufig sind Lehrpersonen einfach nur froh, wenn sie alle Aufgaben in dieser Zeit erledigt haben, sodass sie zu Beginn des Unterrichts nach den Ferien etwas weniger gestresst sind. 

So sollte es aber wirklich nicht sein, möchte man dem Burnout entgehen. Auf den steuert man auf diese Weise nämlich unausweichlich zu, wenn man permanent so arbeitet. Die Arbeit gut zu planen und im Blick zu halten sowie bei der Bearbeitung der einzelnen Aufgaben gut voranzuschreiten ist natürlich wichtig. Gleichzeitig ist jedoch klar, dass dies nicht ausreichend ist. Schließlich hält der Alltag stetig Überraschungen für uns bereit, die nicht eingeplant werden können.

Es zeigt sich also deutlich, dass sich bestenfalls etwas ändern müsste, um zu verhindern, dass immer mehr Lehrer*innen in den altbekannten Burnout schlittern. Selbstverständlich wird der Großteil der Lehrkräfte (recht) gut bezahlt, gleichzeitig bleibt ja oftmals aber gar keine Zeit, um mal Luft zu holen. Eigentlich sollten Lehrpersonen mit viel Freude und Energie sowie voller Ideen in den Klassenraum treten, um den Schülern*innen viel beizubringen. Bestenfalls geschieht dies auf motivierende und mitreißende Art. Wenn Lehrer*innen jedoch selbst völlig ausgelaugt sind, so habe ich doch meine Zweifel, ob das funktionieren kann. 

Und Sie?

Mich würde brennend interessieren, wie Sie mit all den Aufgaben umgehen, die so im Lehreralltag anfallen? Haben Sie eine spezielle Strategie? Können Sie sich dennoch ausreichend erholen? Schreiben Sie mir gerne einen Kommentar.

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