Demotivierende Schülerreaktionen

Da hat man an einer Idee vielleicht tagelang gesessen, sich die tollsten Sachen überlegt, schöne Materialien erstellt und dann… bringt diese Idee nur ein müdes Lächeln auf Seiten der Schüler*innen hervor. Es gibt wohl keine*n Lehrer*in, der/dem dieses Szenario nicht schon einmal untergekommen ist. Das Ende vom Lied ist dann, dass man sich schrecklich demotiviert fühlt. Eigentlich möchte man am liebsten keine Arbeit mehr in derartige Projekte stecken. 

Nur noch Dienst nach Vorschrift?

„Dann eben nur noch Arbeit mit dem Lehrwerk ohne weitere Zusätze.“, mag sich da ein mancher denken. Auch ich habe in derartigen Momenten bereits diese Denkweise an mir entdecken müssen. Wie man sich denken kann, sollte man diese jedoch nicht akzeptieren. Wer nur noch Dienst nach Vorschrift macht, wird auf Dauer jegliche Energie und dabei höchstwahrscheinlich sogar die Schüler*innen verlieren. Kinder spüren die Demotivation einer Lehrkraft sofort. Genauso schnell merken sie, wenn die Lehrperson sich mit einer Methode oder mit einem zu behandelnden Thema überhaupt nicht wohl fühlt. Besagte Demotivation färbt zudem schnell ab. So kann sich die betreffende Person sehr schnell mit einer Klasse voll demotivierter Schüler*innen wiederfinden. 

So wie man in den Wald schreit, so schallt es heraus.

Ich möchte hier nicht sagen, dass es alles auf den/die Lehrer*in ankommt, aber in gewissem Maße ist die Redensart „So wie man in den Wald schreit, so schallt es heraus.“ nicht ganz falsch. Komme ich ohne jegliche Motivation in den Klassenraum und schlage nur das Buch auf, um dann genau das dort vorgegebene Programm herunterzuspulen, ohne meine eigene Persönlichkeit mit einzubringen, so kann man sich das Resultat lebhaft vorstellen. 

Was tun?

Was also tun? Hier möchte ich selbst sagen, dass ich noch nicht das perfekte Mittel gefunden habe, um derartige Situationen zu umgehen. Ich möchte hier jedoch einige Ansätze nennen, die gegen einen Mangel an Motivation helfen können. 

1. Die Kenntnis der eigenen Klasse 

Zwarmag Ihnen dies, sehr geehrte(r) Lehrer(in) bereits bekannt sein, jedoch möchte ich dennoch darauf hinweisen, dass eine gute Kenntnis der eigenen Klasse oftmals helfen kann. Innerhalb der Klasse selbst bekommt man über die Zeit hinweg ein Gefühl dafür, welche Methoden und Strategien besonders gut angenommen werden. Die eine Klasse mag gerne debattieren und steckt viel Arbeit in die Vorbereitung und die nächste murrt und tut so wenig wie möglich. 

Es kann hierbei aber auch generell bei der Klasse nachgefragt werden, welche Aspekte sie bevorzugen. Das kann sowohl die Nachfrage nach Themenfeldern sein als auch von Methoden. Hierdurch kann schon relativ zu Beginn des Schuljahres sichergestellt werden, dass man sich bezüglich dieser Punkte im Klaren ist. So kann der Unterricht schon recht schnell an diesen Interessen ausgerichtet werden.

2. Eine Umfrage

Was ich aber auch schon getan habe war, eine Umfrage zu starten. Dabei hatte die Schülerschaft meiner Klasse die Auswahl zwischen verschiedenen Unterthemen einer Unit. Unter dem Überthema „The past in the present“ gab es die Auswahl zwischen Märchen bzw. Sagen, die nach wie vor eine Rolle in unserer Gegenwart spielen, der Symbolik der USA, Immigration in eine bestimmte Region der USA und wie sich die nachfolgenden Generationen in der Gegenwart mit ihrer Vergangenen bzw. derer ihrer Vorfahren auseinandersetzen und noch einiges mehr. 

Durch die demokratische Entscheidung können zwar nicht alle Interessen direkt berücksichtigt werden. Es ist dennoch sichergestellt, dass die Lehrkraft nicht immer über den Kopf der Lernenden hinweg entscheidet. Und sobald man den Schülern*innen das Ergebnis mit den Wahlzahlen mitteilt, so gibt es zwar vielleicht auf Seiten einiger Lernender ein kurzes Murren, aber da sie alle die Wahl hatten, wird es dann auch akzeptiert. In der Regel wird auch besser darauf reagiert, vor allem besser als auf ein Thema, welches niemand gewählt hätte. Dies lässt sich leicht auf Google Sheets bewerkstelligen. Voraussetzung ist, dass die Schüler*innen alle einen Gmail-Account besitzen. Der ist an meiner Schule direkt für alle Lernenden eingerichtet worden. 

Aber… 

Sich auf eine Klasse und deren Vorlieben einzustellen, ist natürlich sinnvoll. Gleichzeitig darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass Schüler*innen auch Dinge lernen sollten, die ihnen nicht oder vielleicht auf den ersten Blick nicht gefallen. Es ist essentiell für Lernende auch neues kennenzulernen. Manche Äußerung des Missfallens über ein Thema, ein Material oder eine Methode ist eher antrainiert beziehungsweise wurde sich von anderen abgeschaut. So können Gedichte zunächst als schlecht angesehen werden. Sobald dann aber dazu gearbeitet wird, können einige Lernende ihre Meinung ändern und womöglich sogar ihre dichterische Ader entdecken. 

Noch dazu sollte man sich vor Augen halten, dass man nie alle Lernende gleich begeistern wird. Es gibt immer mehr oder weniger Interessierte. Aus diesem Grund ist es idealer, sich nicht davon stressen zu lassen, dass nicht alle voll Begeisterung auf unsere Ideen reagieren. Meiner Meinung nach ist es wichtiger, so viel wie möglich im Unterricht zu variieren. Damit kann man sich doch sicherer sein, dass für jede*n mal etwas dabei ist. Es ist wenig sinnvoll, sich unnötig unter Druck zu setzen, immer alle begeistern zu wollen. Einen steten Wechsel halte ich für angebrachter und effektiver als ein langes ausgedehntes Planen einer einzelnen Idee. Versteift man sich nämlich zu sehr auf diese, wird die Enttäuschung garantiert größer sein, wenn diese dann nicht auch bei allen Schülern*innen gleich gut ankommt.

Fazit 

Um möglichst ein großes Interesse auf Seiten der eigenen Klasse zu generieren, lohnt es sich, den eigenen Unterricht an deren Interessengebieten zu orientieren. Zum einen erkennt man als Lehrkraft über die Zeit hinweg doch stark, welches deren Vorlieben sind. Zudem kann beispielsweise mithilfe einer Umfrage über Google Sheets genauer ermittelt werden, was das nächste Thema sein soll oder es kann direkt nach deren Vorlieben gefragt werden, sowohl bezüglich der Themenfelder als auch der Methoden. 

Als Lehrperson sollte man sich jedoch im Klaren sein, dass man es niemals allen recht machen kann. Stetig hat jeder Mensch seine individuellen Vorlieben. Aus diesem Grund ist es meiner Ansicht nach noch viel wichtiger, den eigenen Unterricht möglichst vielfältig zu gestalten. Setzt man immer wieder dieselbe Methode ein, so wird doch immer nur dieselbe Gruppe an Schülern*innen angesprochen. Zusätzlich sollte man sich bewusst sein, dass die Lernenden auch Dinge kennenlernen sollten, die sie vielleicht nicht mögen. Nur durch das echt Auseinandersetzen mit diesen, werden sie wirklich zu einem umfassenden Wissen gelangen und eine echt Meinung entwickeln können.