Es ist noch kein (Fremdsprachen-)Lehrer vom Himmel gefallen.

Kategorie: Arbeitsalltag Seite 1 von 9

Update: Kampf gegen das Chaos

Zählen der Stunden

Seit dem 07. November 2022 führe ich inzwischen bereits Buch darüber, wieviele Stunden ich wöchentlich für die Schule arbeite. Grund hierfür war meine Feststellung, dass ich derzeit einfach zu viel Zeit am Schreibtisch – sowohl in der Schule als auch zu Hause – zubringe. Bei meinen Berechnungen beziehe ich sowohl die Unterrichtsstunden mit ein als auch alle anderen mit Schulaufgaben zugebrachten Stunden. Und das Ergebnis gibt mir recht…

Erinnern Sie sich noch daran, dass ich in meinem Artikel „Ausnahmezustand – Das Arbeiten für die Schule hat Überhand genommen“ davon berichtete, dass ich in der Woche, in welcher ich mit dem Berechnen der Stunden begonnen habe, auf fast 60 (!) Stunden gekommen bin? In jenem Artikel hatte ich darüber geschrieben, dass ich hoffte, dass es in Zukunft weniger werden würde… Wie gesagt, „ich hoffte“…

Keine echte Besserung in Sicht

Bisher hat es – mit Ausnahme der Woche, in welcher die Weihnachtsferien begannen und in jener, in denen diese zu Ende gingen – keine Woche mehr gegeben, in welcher ich auf 40 Stunden gekommen bin. Das Wenigste waren seither 44 Stunden. Der Rest überschritt stets die 50. Auch in der letzten Woche war dies erneut der Fall. 

Für anderes außer Arbeit war da natürlich nur wenig Zeit. Darunter hatte auch Lærari zu leiden. Aus diesem Grund konnte der neue Artikel auch nicht in der vergangenen Woche online gehen. Die Schule hat mich und meine Zeit zu sehr in Beschlag genommen. 

Wie ich schon mehrmals berichtet habe, unterrichte ich derzeit 4,5 Stunden mehr als ich müsste und habe zwei Klassen mehr als im vergangenen Jahr. Grund hierfür war zum einen das Wegbleiben einer neuen Lehrkraft, zum anderen der ausbleibende Ersatz für diese. Die Schulleitung fand einfach niemanden und schien danach auch irgendwie keinerlei Interesse mehr daran zu haben… Also mussten wir anderen ran… Und daran hat sich bisher auch nichts geändert…

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Dennoch besteht noch Hoffnung. Die letzten Wochen habe ich viel versucht, mit meinen Unterrichtsvorbereitungen sowie der Erstellung von Überprüfungen wieder weit genug im Voraus zu sein, um auch mal durchatmen zu können. Derzeit habe ich das Gefühl, dass es mir so langsam gelingt. Die Liste der dringend zu erledigenden Dinge wird kürzer.

Richtig beruhigt fühle ich mich zwar noch nicht, obwohl ich es dürfte. Dennoch sieht es inzwischen besser aus. Oftmals variiert dieses Gefühl allerdings auch von Tag zu Tag. Dies liegt zumeist daran, wie gut ich an jenem Tag mit meinen Aufgaben vorangekommen bin. In der vergangenen Woche fühlte ich mich sehr schlapp und kam dadurch nur schlecht voran. Dementsprechend getrübt war mein Blick auf meine Arbeiten.

Abschließend…

Die vergangenen Wochen waren, wie man sich denken kann, nicht leicht bei all der vielen Arbeit. Doch, wie ich zuvor sagte, besteht noch Hoffnung, die Kontrolle über die Aufgaben wieder zurückzuerlangen. Meine Liste der dringend zu erledigenden Dinge wird kürzer. Die Beine hochlegen kann ich aber trotzdem nicht. Ob und wie gut ich wieder Herr der Lage werde, das wird sich je nachdem entscheiden, wie gut ich stetig weiterarbeite. Ich hoffe nur, dass ich bald mal wieder ein Wochenende haben werde, an welchem ich nicht täglich etwas für die Schule tun muss, um nicht völlig im Chaos zu versinken. Vielleicht ja das Nächste…?

Wie findet man als Lehrer*in Erholung?

Diese Frage treibt mich in letzter Zeit immer mehr um. Denn ich fühle mich permanent überarbeitet. Stets habe ich das Gefühl, nicht alles schaffen zu können. Immer bleibt noch etwas liegen. Meine To-do-Liste ist nie ganz abgearbeitet. Und solange ich nicht all diese Aufgaben erledigt habe, schaffe ich es auch nicht, mir Erholung zu gönnen. 

Der Gedanke „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ ist scheint‘s so stark in mir verankert, dass ich vor Beendigung der notwendigen Aufgaben keinerlei Freude zulassen kann. Die Schlussfolgerung ist: Wenn ich nicht alle Aufgaben geschafft habe, so wird aber auch keine Erholung zugelassen.

Abschalten, aber wie?

So kann es aber nicht weitergehen. Es ist klar, dass ich lernen muss abzuschalten. Ich bin mir bewusst, dass ich mir die nötigen Pausen zugestehen muss – egal, ob die Aufgaben alle erledigt sind oder nicht. Aber wie?

In vielen Artikeln habe ich über Methoden geschrieben, die für mehr Ruhe sorgen sollten. Nun aber, da ich mit deutlich mehr Stunden als in den Vorjahren und auch mehr Klassen zu kämpfen habe, schaffe ich es kaum noch, diese Strategien auch in die Tat umzusetzen. Speziell dann, wenn die letzten Noten eingetragen und die Zeugniskommentare geschrieben werden müssen. Viel zu oft fühle ich mich einfach nur noch ausgelaugt.

Kann bewusstes Planen helfen?

Diesmal kann ich deshalb nicht mit einer schlauen Idee aufwarten. Was einzig Sinn zu ergeben scheint, wäre ein stetiges Üben der Erholung. Ich muss lernen, bewusst Pausen zu machen. 

Da ich zuletzt mehr und mehr verlernt zu haben scheine, Pausen einzulegen und bewusst nicht an die Arbeit zu denken, scheint es mir ratsam, meine Zeit besser zu planen. Dabei gilt es speziell, Phasen der Erholung einzuplanen. An meinen unterrichtsfreien Tagen sollte ich klar festlegen, wann oder nach wie vielen Stunden ich eine Pause mache. Egal, ob ich mich gerade mitten in einem Arbeitsabschnitt befinde oder diesen gerade beendet habe.

Schließlich geht es hier um meine Gesundheit und mein Wohlbefinden.

Abschließend…

Ich bin mir dessen bewusst, dass ich (wieder) erlernen muss, für die notwendige Erholung zu sorgen. Der Beruf einer Lehrkraft ist nicht einfach und stiehlt viel Energie. Permanent nur zu arbeiten kann dabei schnell zu einem dauerhaften Erschöpfungszustand führen, schlimmstenfalls sogar zu Burnout. Es liegt somit in meinem eigenen Interesse, dies zu vermeiden.

Wie immer werde ich Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten. Schreiben Sie mir auch gerne Ihre Tipps, wie Sie für die nötige Erholung sorgen. Denn ich weiß nicht mehr wirklich weiter, wie ich endlich wieder für mehr Ruhe sorgen kann – und das nicht nur während der Ferien.

Prognosen zum Lehrkräftemangel – Was bringen Zahlen?

Fast überall herrscht ein Mangel an Lehrkräften

Abbildung 1: Prognosen zum Lehrkräftemangel (Quelle: iwd, 2022)

Dass neben anderen Ländern auch in Deutschland erhebliche Probleme bestehen, die zur Verfügung stehenden Stellen für Lehrkräfte zu besetzen, ist bekannt. Zu Beginn dieses Schuljahres 2022/23 schätzte der Deutsche Lehrerverband, dass bis zu 40.000 Lehrkräfte fehlten (cf. News4Teachers.de). In Abbildung 1 sind diesbezüglich genauere Prognosen für die nächsten Jahre zu sehen. Durch das Fehlen von Lehrkräften komme es immer wieder zu „Unterrichtsausfällen, gekürzten Stundenplänen, gestrichenen Zusatzangeboten“ (ibid.) (siehe hierzu auch Abbildung 2, die das Ganze humoristisch darstellt).

Abbildung 2: Stundenausfall durch Lehrkräftemangel (Quelle: Holtschulte, o.D.)

Beispiel Niedersachsen

Auch das Bundesland Niedersachsen bildet hierbei natürlich keine Ausnahme. Vor Kurzem wurde nun berichtet, dass die Kultusministerin des Landes, Julia Willie Hamburg (Grüne), verlauten ließ, dass der Lehrkräftemangel schätzungsweise noch zehn weitere Jahre andauern würde (cf. Zeit Online). Diese Angabe wurde vielerorts hoch gelobt. Es sei endlich mal eine ehrliche Angabe, die nichts schön redet.

Selbstverständlich ist es gut, dass es hierdurch eine konkrete Zahl gibt. Damit lässt sich selbstverständlich besser arbeiten. Gleichzeitig frage ich mich, warum da jetzt so ein Hype drum gemacht wird. Denn es ändert schließlich nichts an der eigentlichen Problematik. Und so meint der niedersächsische Landesschülerrat auch folgerichtig: „Das Kultusministerium sei nach der Prognose der Ministerin in der Pflicht, konkrete und langfristige Maßnahmen vorzulegen, damit der Lehrkräftemangel in zehn Jahren beseitigt werde“ (Zeit Online).

Wirksame Maßnahmen müssen her

Das ist es nämlich, um was es wirklich geht: Es muss für echte Maßnahmen gesorgt werden, die dann auch Wirkung zeigen. Ohne diese bringen auch die genausten Zahlen nichts. Da können die Experten noch so sehr diskutieren, wieviele Lehrkräfte wirklich benötigt werden und wie lange der Lehrkräftemangel vermutlich anhalten wird.

Die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ria Schröder, ist diesbezüglich der Meinung, dass zum einen „eine leistungsgerechte Vergütung“ (News4Teachers.de) Abhilfe schaffen könnte, aber auch „bessere Arbeitsbedingungen“ (News4Teachers.de).

So sehr ich mit Letzterem einverstanden bin, so sehr widerstrebt es mir, den ersten Punkt als wirksames Mittel anzuerkennen. Denn als Lehrkraft weiß ich, dass es nicht um das Geld geht. Das eigentliche Problem sind die Arbeitsbedingungen. Diese müssen verbessert werden. Denn der immer größer werdende Haufen an Aufgaben, die Lehrkräfte bewältigen müssen, wirkt sich nur allzu oft auch auf deren Privatleben aus. Um alles zu schaffen, muss auch im Privatem immer wieder gearbeitet werden. Und wenn man nicht aktiv für die Schule arbeitet, so kreisen die Gedanken vielfach dennoch um das Schulgeschehen.

Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist nur allzu oft nicht gegeben oder nicht möglich.

Das wissen auch die angehenden Studierenden und entschieden sich zuletzt dann mehrfach auch dagegen. Dies ist wohl auch der Grund, weshalb es zuletzt nicht mehr gelang, alle Studienplätze für das Lehramt zu besetzen.

Abschließend…

Wie man es dreht und wendet, es geht, meiner Meinung nach, hauptsächlich um die Arbeitsbedingungen, die einer dringenden Verbesserung bedürfen. Hier sollte man ansetzen. Da ist es nur wenig hilfreich herauszufinden, wie lang der Lehrkräftemangel schätzungsweise anhalten wird. Natürlich bedarf das deutsche Schulsystem auch grundsätzlich einer Veränderung, aber um das Problem des Lehrkräftemangels kurzfristig in den Griff zu bekommen, sollte zunächst bei den Lehrkräften selbst begonnen werden. Gerade auch deshalb, weil die derzeit aktiven Lehrkräfte durch den Mangel an Personal oftmals noch mehr Arbeiten erledigen müssen. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich hierdurch mehr und mehr in den Teilzeitbereich begeben: „[i]m Schuljahr 2020/21 […] knapp 40 Prozent […], die höchste Quote seit zehn Jahren“ (News4Teachers.de).

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

Die Weihnachtsfeiertage – Endlich Ruhe im Kopf

Abstand

Weihnachtsgrüße

Wie bereits aus meiner Willkommensseite hervorgeht, lebe und unterrichte ich in der Elfenbeinküste. Bisher bin ich zu den Weihnachtsfeiertagen aber stets wieder nach Deutschland gereist, um insbesondere meine Familie zu sehen. Zu den Feiertagen kommt noch ein weiterer festlicher Anlass im Anschluss daran hinzu: der Geburtstag meiner Großmutter. Zwar kommt diese Anzahl an Festlichkeiten mitunter einem Marathon gleich, der einem nicht wirklich viel Zeit für Ruhe gönnt. Dennoch merke ich, wie mir die Entfernung zur Schule gut tut.

Wer meinen Blog verfolgt, hat sicherlich mitbekommen, dass ich zuletzt übermäßig viel für die Schule tätig war (siehe hierzu zum Beispiel: „Ausnahmezustand – Das Arbeiten für die Schule hat Überhand genommen“ oder „Wie meine Woche war? Woher soll ich das wissen?“). Zu Höchstzeiten kam ich zuletzt auf 59 Stunden pro Woche. Aus diesem Grund war es wichtig für mich, einfach mal nichts für die Schule tun zu müssen.

Das Gedankenkarussell steht endlich still

Zu Beginn der Ferien hatte ich bisher oft Schwierigkeiten abzuschalten. Zu oft kreisten meine Gedanken um alles, was mit meiner Arbeit zusammenhängt. Glücklicherweise konnte ich dieses Mal mit Besteigen des Flugzeugs in Richtung Deutschland feststellen, wie das Gedankenkarussell der vergangenen Wochen endlich zum Stehen kam. Zuvor hatte ich tatsächlich noch überlegt, ob ich an Bord Dinge für die Schule vorbereiten könnte. So sehr wollte ich schon vorarbeiten. Doch eigentlich war es dringend nötig, mir Ruhe zu gönnen. 

Als ich also die Maschine bestieg, waren all die Gedanken an mögliche Vorbereitungen für die Schule zum Glück vorbei. Ich konnte mich der Vorfreude auf ein Wiedersehen mit der Familie und auf die Feierlichkeiten hingeben.

Inzwischen sind die Weihnachtstage zwar fast vorbei, dennoch merke ich, wie gut mir dieses totale Abschalten vom Schulalltag tut und getan hat. Selbst dann, wenn ich versuche, aktiv an liegengebliebene Schulaufgaben zu denken, gelingt mir dies derzeit nicht. Es ist, als würde durch die physische Distanz zwischen der Schule und mir auch eine psychische Distanz zwischen der Arbeit und mir geschaffen. Zudem hilft mir die physische Distanz zwischen der Schule und mir, auch meinen Schulstress zu verringern.

Keine Illusionen

Ich mache mir zwar inzwischen keinerlei Illusionen mehr, dass diese Verringerung des Stresses auch nach den Ferien noch länger anhalten könnte, da dies in der Vergangenheit kaum funktioniert hat. Dennoch bin ich mir sicher, dass mir dieser Abstand zur Schule und den dazugehörigen Aufgaben gut tut. Zwar klagen viele Menschen immer über den Stress, den das Weihnachtsfest und alle dazugehörigen Aufgaben mit sich bringen, aber für mich waren diese Tage bisher nur von Vorteil.

Abschließend

Zu guter Letzt lässt sich festhalten, dass es als Lehrkraft wichtig ist, immer auch mal Momente der Ruhe zu schaffen. Selbstverständlich weiß ich, dass dies oftmals nicht gelingt. Wenn es aber möglich ist, so sollte dies auch ausgiebig genossen werden. Zu viel Arbeit und zu viel Stress machen auf die Dauer ja auch krank. Ruhe beziehungsweise eine Phase der Stressreduzierung ist somit unerlässlich, um fit zu bleiben. Das kann ich schon allein deshalb bestätigen, weil ich durch die viele Arbeit zuletzt immer wieder von Infekten geplagt wurde (Nein, es war kein Corona.).

Ich hoffe auf jeden Fall sehr, dass Sie (zumindest) über die Feiertage etwas zur Ruhe kommen konnten. Und eventuell haben Sie ja auch einen Ratschlag, wie man in den Ferien gut abschalten kann!? Schreiben Sie mir gerne ihre Gedanken. Auch dann, wenn Sie keinen Rat parat haben. Ich würde mich sehr freuen.

Abbildungsverzeichnis:

Schule als Klimasünderin? – Thema: Papierverschwendung

Notenkonferenzen = Papierverschwendung?

Wie es das Ende eines Trimesters oder Schulhalbjahres – je nachdem, in welchem Schulsystem man arbeitet – so an sich hat, folgen auf den Notenschluss stets auch die Notenkonferenzen. Ich mag mich irren, aber es scheint sich wohl kaum eine Lehrkraft auf diese Termine zu freuen. Auch ich gehöre zu denjenigen, die mit Grausen an diese Termine denken. In dieser und der vergangenen Woche hatte ich nun an diesen Terminen teilzunehmen.

Papierstapel

Zu Beginn einer jeden Konferenz erhalten alle anwesenden Personen – von den Lehrkräften über die Elternvertreter*innen bis hin zu den Klassensprechern*innen – zwei Dokumente. Das ist zum einen ein Blatt mit den jeweiligen Durchschnittsnoten der einzelnen Schüler*innen in den Fächern. Zum anderen sind es ein bis zwei Seiten Papier, auf denen die Zeugniskommentare aller Lehrkräfte der jeweiligen Klasse zu deren Gesamtverhalten zu lesen sind.

Da nie ganz klar ist, wieviele Personen schlussendlich zugegen sein werden, kann lediglich Pi mal Daumen kopiert werden. Das da einiges an Papier übrig bleibt, ist nur logisch. Zumeist schauen sich viele diese Seiten auch kaum näher an und im Anschluss an die jeweilige Konferenz landen diese dann auch schon im Müll.

Eine Email mit viel Wahrheitsgehalt

Ein voller Papierkorb

Ehrlich gesagt, habe ich mir bisher gar nicht weiter Gedanken dazu gemacht, was da an Papier zusammenkommt. Oder nur wenig. Das änderte sich, als ich gestern eine Email in meinem Postfach entdeckte.

In dieser schlug eine Mitarbeiterin der Schule Alarm. Die Praktiken an der Schule seien inakzeptabel für ein Etablissement, welches vorgibt, sich für den Umweltschutz zu interessieren und darauf abzielt, die Schülerschaft diesbezüglich zu sensibilisieren.

So schreibt diese Mitarbeiterin weiter, dass in der Zeit der Notenkonferenzen mehr als 8000 Photokopien getätigt werden, von denen ein Großteil unnötig sei. So wäre beispielsweise das Drucken der Zeugniskommentare zum Gesamtverhalten der Klasse ja nicht nötig, da sich die Lehrkräfte im Verlauf der Konferenzen äußerten. Zudem würden die zu diesem Anlass gedruckten Blätter nicht recycelt, sondern landeten im Müll.

Natürlich kommen zu dem Umgang mit Papier noch viele weitere Punkte hinzu. Dass aber mehr als 8000 Kopien gezogen werden und das allein für diese Notenkonferenzen, fand ich doch sehr erschreckend.

Selbstreflexion

Ich persönlich bin mir bewusst, dass ich selbst auch viele Kopien tätige. Das liegt speziell daran, dass wir Englischlehrkräfte uns in den Oberstufenklassen gegen das Anschaffen eines einzelnen Lehrwerks entschieden haben. Dadurch können wir Kapitel aus verschiedenen Büchern auswählen. Ich persönlich befürworte das sogar, da ich meine Unterrichtsinhalte dadurch mehr variieren kann und mehr Freiheit in meiner Unterrichtsgestaltung habe.

Umweltschutz

Ich zähle seit einer Weile aber genauer, wieviele Kopien ich wirklich brauche. Auch drucke ich – außer in Ausnahmefällen – nur noch doppelseitig. Kann ich eine Information mehrfach auf ein Blatt Papier bringen, so tue ich auch dies, wodurch die Schüler*innen dann mitunter nur kleine Papierstreifen erhalten.

Dennoch bin ich mir bewusst, dass ich trotz alledem viel Papier verbrauche. Ich halte es aber für notwendig, um meine Schüler*innen mit dem nötigen Wissen zu versorgen.

CO2-Fußabdruck

In der Mittelstufe kopiere ich nur noch Informationen, die nicht im Lehrwerk stehen, zusätzliche Übungsblätter und natürlich Klassenarbeiten bzw. Tests und die eventuell dazugehörigen Bewertungstabellen. Zumindest in diesem Bereich meiner Klassen konnte ich die Anzahl meiner Kopien stark reduzieren. Vor allem auch dadurch, dass wir in diesem Schuljahr ein neues, deutlich besseres Schulbuch eingeführt haben, mit dem sich tatsächlich gut arbeiten lässt.

Abschließend…

Vermutlich sind wir alle mehr oder weniger Klimasünder*innen. Es lässt sich kaum vermeiden. Zumindest ich schaffe es nicht. In der Schule habe ich nicht die Mittel, um beispielsweise rein elektronisch arbeiten zu können. Um Kopien komme ich somit (derzeit?) nicht herum. Seit Erhalt besagter Email denke ich jedoch noch mehr darüber nach, was ich tun kann, um meinen CO2-Fußabdruck zu reduzieren – speziell in der Schule. Und egal wie gut mir dies in der Zukunft gelingen wird, die Zahl 8000 wird mir auf jeden Fall noch eine ganze Weile im Kopf herumschwirren.

Und Sie?

Wie hält es Ihre Schule denn mit dem Klimaschutz? Und Sie selbst? Haben Sie Ihre Klimabilanz verbessern können? Wenn ja, wie? Oder interessieren Sie sich nicht so sehr für den Umweltschutz? Schreiben Sie mir gerne Ihre Meinung. Ich würde mich sehr freuen.

Abbildungsverzeichnis:

Ausnahmezustand – Das Arbeiten für die Schule hat Überhand genommen

Im Ausnahmezustand. So und nicht anders kann ich mein Leben derzeit nur beschreiben. Der Duden definiert den Begriff Ausnahmezustand folgendermaßen: ein „außergewöhnlicher, unüblicher, eine Ausnahme darstellender Zustand“.

Worum es geht? Seit drei Wochen arbeite ich wöchentlich fast 60 (!) Stunden für die Schule. Sechzig Stunden!!! Da es aber bereits seit drei Wochen so geht, frage ich mich, ob man hier noch von einer Ausnahme sprechen kann. Denn ein Ende ist noch nicht wirklich in Sicht.

Auf die Dauer nicht möglich

Dass das alles zu viel ist, ist nur logisch. Das merke ich nicht nur an meinem derzeitigen dauerhaften Erschöpfungszustand. Wie es nicht anders sein konnte, haben sich nach einer Weile auch die ersten Krankheitssymptome bemerkbar gemacht. Seit vergangenem Samstag plage ich mich nun auch noch mit einem grippalen Infekt herum. Echte Zeit zum Ausruhen habe ich aber nur an jenem Wochenende gefunden. Danach hieß es dann auch schon wieder arbeiten, um all die zu erledigenden Dingen zu schaffen.

Gerade durch das Ende des Trimesters – Notenschluss war am vergangenen Sonntag – und die damit verbundene Arbeit wurde die Zeit nochmal doppelt anstrengend. Der Abschluss eines Trimesters bedeutet zum einen, die letzten Klassenarbeiten/Klausuren schreiben zu lassen und zu korrigieren sowie mündliche Noten zu verteilen – das wird nicht verlangt, ich tue es aber dennoch, um den Schülern*innen auch widerzuspiegeln, dass sich eine aktive mündliche Beteiligung und die im Unterricht erforderliche Aufmerksamkeit rechnen. Zum Anderen müssen auch Zeugniskommentare geschrieben werden. Und das für jede einzelne Person. Bei meinen derzeit 173 Schülern*innen nimmt auch dies natürlich sehr viel Zeit in Anspruch. 

Zu „guter“ Letzt folgen auf die Fertigstellung der Noten und der Zeugniskommentare auch noch die Zeugniskonferenzen. Anstatt diese um eine humane Zeit stattfinden zu lassen – schließlich soll man am nächsten Tag ja wieder unterrichten -, sind diese zwischen 17 und 20 Uhr anberaumt. Wer also Konferenzen von 19 bis 20 Uhr erwischt hat, ist echt gekniffen. Und wie konnte es nicht anders sein: Dieses Mal musste ich genau diesen Zeitraum erwischen…

Und dann ging gar nichts mehr

Am vergangenen Donnerstag fand ich mich also von 7 Uhr – Unterrichtsbeginn ist um 7:30 Uhr. – bis 20:15 Uhr in der Schule wieder. Um mit meinen Arbeiten voranzukommen, blieb ich in den freien Stunden in der Schule. Sowieso schon durch meinen grippalen Infekt gebeutelt, war ich abends natürlich ausgesprochen erschöpft. Dass wir Lehrkräfte aber auch ausreichend Zeit zum Ausruhen brauchen, scheint der Schulleitung nicht in den Sinn zu kommen.

Am Folgetag sollte ich also bereits wieder um 7:30 Uhr zum nächsten Unterricht antreten. Und dabei sind meine Freitage alle zwei Wochen sowieso viel zu lang: von 7:30 Uhr bis 17:00 Uhr. An diesen Tagen habe ich nach der ersten Stunde eine und nach der dritten Freistunde noch einmal zwei Freistunden. Dennoch schlauchen diese Tage sehr. Auch gestern wäre dies so gewesen. Im Anschluss daran sollte ich jedoch auch noch an zwei Notenkonferenzen – von 18:00 bis 20:00 Uhr – teilnehmen.

Gestern wäre ich also 13 Stunden lang in der Schule geblieben. Ist das normal? Ich finde nicht.

Anscheinend empfand dies auch mein Körper so. Denn gestern, während der ersten Unterrichtsstunde, musste ich erschreckend feststellen, dass mit einem Mal mein Gesichtsfeld gestört war. An den Rändern bemerkte ich ein Flimmern und auch einige Sterne. Ich konnte den Unterricht dann noch zu Ende bringen und bin daraufhin in meiner Freistunde zur schuleigenen Krankenschwester. Diese hat mich daraufhin nach Hause geschickt, mit dem Rat, mich auszuruhen und einen Arzt aufzusuchen.

Es war also deutlich zu viel für meinen Körper. Bedeutsam war auch, dass ich mich trotz mehrfachen Schlafens an diesem Tag auch abends nicht besser fühlte. Wie hätte ich da noch bis um 20 Uhr aktiv in der Schule sein können?

Kein Wunder

Insgesamt ist es nicht verwunderlich, dass ich dieses Jahr soviel mehr mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe als im Vorjahr. Schließlich habe ich zwei Klassen mehr. Das bedeutet 4,5 Stunden mehr Unterricht pro Woche. Das macht einen deutlichen Unterscheid aus.

All die nötigen Arbeiten zu meiner persönlichen Zufriedenheit ausführen zu können, schaffe ich derzeit kaum.

Natürlich wird dieses Mehr an Arbeit bezahlt. Was bringt mir das aber, wenn ich gar keine Zeit habe, um dieses Geld auch auszugeben? An private Aktivitäten zu denken ist kaum noch möglich.

Heute fühle ich mich nur wenig besser als gestern. Ich hoffe, dass mich ein Ausruhen an diesem Wochenende wieder auf die Beine bringen wird. Zum Glück habe ich montags keinen Unterricht. Das verschafft mir drei Tage Wochenende.

Konsequenzen für Lærari

Insgesamt wünsche ich mir, wieder mehr Zeit für mich und meine Hobbys zu haben. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass ich kaum gegen die Flut an Arbeiten ankomme.

Seit ich vor zwei Jahren mit dem Schreiben auf diesem Blog begonnen habe, ist es mir noch nie untergekommen, dass ich keine Zeit hatte, um einen Artikel zu schreiben und zu veröffentlichen.

Und dann kam dieses neue Schuljahr. Ich bin gefühlt am Dauerarbeiten. Und selbst die vergangenen Ferien haben mir nicht sonderlich geholfen, um Herr über meine Arbeiten zu werden.

Aus diesem Grund habe ich die vergangenen beiden Samstage das erste Mal seit Bestehen dieser Website keinen Artikel veröffentlicht. Ich arbeitete soviel, dass ich im Anschluss daran verständlicherweise keinerlei Energie und auch Muße mehr hatte, um einen Artikel schreiben zu können. Und das hat mir wehgetan. Denn, wie ich bereits in einem vorhergehenden Artikel beschrieb, tut mir das Schreiben auf Lærari gut (Lesen Sie hierzu: „Happy Birthday! – Lærari wird 2 Jahre alt!“). Es ist meine Zeit für mich. Und diese wurde mir durch das viele Arbeiten gänzlich genommen.

Abschließend…

Eigentlich sollte das Arbeiten doch dazu dienen, leben zu können. Denn wie heißt es noch so schön: Wir leben nicht, um zu arbeiten. Wir arbeiten, um zu leben. Derzeit sehe ich jedoch in meinem Leben eher das Gegenteil. Zeit für Privates habe ich in letzter Zeit kaum oder keine gehabt.

Licht am Ende des Tunnels sehe ich dabei auch nicht so wirklich. Denn, obwohl die Notenkonferenzen in der nächsten Woche vorbei sein werden, die zusätzlichen Unterrichtsstunden werden nicht verschwinden. Im Moment kann ich nicht sagen, wie sich das Schuljahr in der nächsten Zeit entwickeln wird. Ich möchte auch nicht mehr über meine Hoffnungen sprechen, denn so langsam gebe ich die Hoffnung auf, in Zukunft mehr Zeit für mich zu haben. Auf jeden Fall werde ich Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten.

Wie meine Woche war? Woher soll ich das wissen?

Diese Woche, die erste nach den vergangenen zweiwöchigen Ferien, ist wie im Fluge vergangen. Gleichzeitig kann ich mich kaum noch an einzelne Momente erinnern. So sehr war ich in meine Arbeit vertieft. Vor den Ferien habe ich die Entscheidung getroffen, an Unterrichtstagen länger in der Schule zu bleiben, um die zu erledigenden Aufgaben besser in den Griff zu bekommen.

Zu sehr hatte ich in den Wochen seit Beginn des neuen Schuljahrs an den Wochenenden gearbeitet. Immer bestand die Hoffnung, endlich die Kontrolle über meine Arbeiten gewinnen zu können, sodass ich nach den Tagen, an denen ich unterrichte, nicht mehr arbeiten müsste. Genauso, wie mir dies im vergangenen Schuljahr ganz gut gelungen war. Doch, wie dies nur allzu oft der Fall ist: Zu Hause bin ich stets langsamer und lasse mich oft schnell ablenken.

Aus diesem Grund war meine Entscheidung, lieber länger in der Schule zu bleiben und, wenn nötig, bis 19 Uhr oder sogar länger dort zu verweilen, um dann zu Hause nicht mehr für die Schule tätig sein zu müssen. Gut vorangekommen bin ich in dieser Woche zwar, geschafft habe ich aber mal wieder nicht alles. Am gestrigen Samstag habe ich somit noch weitere sieben Stunden am Schreibtisch gesessen – wenigstens konzentriert – und heute noch einmal drei Stunden. Schließlich soll man sich am Sonntag ja auch mal ausruhen…

Gibt es dieses „fertig“ überhaupt?

Fertig zu sein, kenne ich gar nicht mehr. Es gibt immer noch etwas zu tun. Und obwohl ich mir dessen bewusst bin, fällt es mir schwer zu entscheiden, wann meine Arbeit reicht. Ich möchte einfach gut vorbereitet sein. Meine Unterrichtsplanung möchte ich nicht im letzten Moment erstellen und auch die Korrekturen möchte ich nicht allzu lange liegen lassen.

Da derzeit noch dazu das Ende des ersten Trimesters unaufhaltsam näherrückt, bin ich permanent am kalkulieren. Wann erledige ich die Korrektur welcher Klausur? Und wann habe ich Zeit, um die mündlichen Noten zu erstellen? Und dann waren da ja noch die Zeugniskommentare. Gleichzeitig habe ich auch festgestellt, dass ein Jahrgang in zwei Wochen mit der nächsten Unterrichtseinheit beginnen sollte, die noch nicht geplant ist. Es nimmt gar kein Ende.

In dem Moment, in welchem ich diesen Artikel verfasse, habe ich zumindest das Gefühl, einigermaßen gut auf die kommende Woche vorbereitet zu sein. Noch dazu arbeite ich montags nicht und auch der kommende Dienstag ist hier unterrichtsfrei. Und so habe ich den heutigen Nachmittag doch mal wirklich ausspannen können.

„Fertig“ gibt es, aber mehr im körperlichen Sinne

Wenn ich so über diesen Begriff „fertig“ nachdenke, so wird mir bewusst, dass ich diesen doch eher im körperlichen Sinne verspüre: Ich bin einfach nur fertig, kaputt und erschöpft. Und das nicht ohne Grund. Ich habe diese Woche einmal so gut es ging die Stunden zusammengezählt, die ich unterrichtet und für die Schule gearbeitet habe. Als ich das Endergebnis sah, war ich ehrlich gesagt schockiert: 59 (!) Stunden. In Worten „neunundfünfzig“. (Stichwort: Arbeitszeitmodell für Lehrer*innen…)

So viele Stunden und dennoch ist wieder etwas liegen geblieben, das ich für die nächste Woche erledigt sehen möchte. Und dabei habe diese Woche – das erste Mal seit ich diesen Blog betreibe – meinen Artikel nicht einmal am Samstag sondern einem Sonntag hochgeladen. Ich hatte nämlich noch nicht einmal ausreichend Zeit, um mich um Lærari.com  zu kümmern. Der neue Artikel war noch nicht einmal bereit.

Der Schulalltag hat derzeit vollkommen die Überhand gewonnen. Und das trotz der guten Vorsätze, die ich in der Vergangenheit immer wieder getroffen habe. (Siehe hierzu beispielsweise meine Artikel: „Neues Schuljahr, neues Glück?!“ und „Ich bin noch nicht bereit. – Von Ängsten und ,Alltagsinseln‘“) Immer, wenn ich das Gefühl habe, viel weggeschafft zu haben – so wie heute, nach einer Woche voller Arbeit -, kommt die nächste Woche mit neuen Aufgaben um die Ecke.

Abschließend…

Derzeit frage ich mich, wie das in Zukunft laufen soll. Werde ich mit der Zeit besser werden, meine Aufgaben so in den Griff zu bekommen, dass ich tatsächlich an der Mehrzahl der Wochenenden mehr das Gefühl von Entspannung empfinden kann? Nicht gerade hilfreich war, dass dieses Schuljahr eine der neuen Englischlehrkräfte einen Tag vor Beginn des Schuljahrs abgesprungen ist und ich mich mit einer zusätzlichen Klasse wiederfand. Noch dazu handelt es sich dabei um einen Oberstufenkurs. Dabei hatte ich sowieso schon eine weitere Klasse als im letzten Jahr.

So sehr ich auch vorausplane, jede Woche zeigt ihre wahren Tücken erst in deren Verlauf. Zwar fühle ich mich heute etwas positiver in Hinblick auf die erledigten Arbeiten und auf das, was mich in der nächsten Woche erwartet. Wie diese sich aber dann wirklich entwickeln wird, kann ich nicht voraussehen. Den Rhythmus, nach meinem Unterricht noch so lange wie nötig in der Schule zu bleiben, um meine Arbeiten möglichst dort zu erledigen, werde ich erstmal beibehalten. Mal schauen, wie sich dies auf meinen Alltag auswirkt. Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich in Zukunft mehr freie Wochenenden oder zumindest welche mit weniger Arbeit haben werde. 

Und Sie?

Wie gehen Sie mit der ewigen Flut an Aufgaben um? Haben Sie einen Trick? Oder haben sie es geschafft, sich nicht (mehr so) von der Arbeit vereinnahmen zu lassen? Schreiben Sie mir gerne. Ich freue mich auf Ihren Kommentar.

Schummelnde Schüler*innen – Von Täuschungsversuchen in Überprüfungen

Schummelnde Schüler*innen

Täuschen im Unterricht

Speziell seit vorletztem Jahr habe ich mit einem Problem zu kämpfen, welches immer stärker zunimmt: schummelnde Schüler*innen. Hatte ich zuvor mal mit einer oder zwei Personen umzugehen, die sich nicht an die Regeln hielten, so hat sich das betrügerische Verhalten im Rahmen von Leistungsüberprüfungen inzwischen zu einem echten Problem entwickelt. Es handelt sich hierbei nicht etwa um ein individuelles Problem, welches nur mich betrifft. Auch andere Kollegen*innen haben vermehrt damit zu kämpfen.

Es sind zum Teil ganze Gruppen an Lernenden, die alles versuchen, um auf dem einfachsten Weg zu einer guten Note zu gelangen. Sogar ganze Klassen wurden bereits gesondert in den Fokus genommen. Ich erinnere mich daran, dass die Schule im letzten Jahr zum einen eine Rundmail versendete, in der Hinweise zum Ablauf von Tests, Klassenarbeiten und Klausuren ausgegeben wurden. Dabei ging es speziell um die Verhinderung von Täuschungsversuchen. Federtaschen, Smartwatches, Hefte, Bücher, Smartphones etc. sollten in den Schultaschen verstaut und diese unterhalb der Tafel deponiert werden. (In meinem Klassenzimmer war dies bereits zuvor gang und gäbe.) Zum anderen gingen zu der Zeit auch Benachrichtigungen herum, die auf häufige Betrügereien in speziell einer Klasse hinwiesen.

Ich habe auch schon Gerüchte gehört, dass Schüler*innen vermehrt der Meinung seien, dass es an unserer Schule leicht sei zu betrügen. Je mehr derartige Gerüchte die Runde machen, desto mehr Schüler*innen scheinen auf die Idee gebracht zu werden, ebenfalls zu täuschen. Dies geht von den herkömmlichen Spickern über ganze Vokabellisten versteckt unter Pullovern auf dem Tisch bis hin zu Smartwatches versteckt in der Hosentasche. Ob bereits auf kabellose Kopfhörer zurückgegriffen wird, vermag ich nicht zu sagen.

Es wird immer schlimmer

Vor Kurzem wurde ich nun erneut von zwei Kollegen*innen gewarnt, dass in einer gemeinsamen Klasse besonders stark geschummelt werde. Darauf meinte ich, dass es eines Tages noch soweit kommen würde, dass man Schüler*innen vor Leistungsüberprüfungen durchsucht. Die Reaktion daraufhin hatte ich absolut nicht erwartet. Denn tatsächlich hat es in einer Klasse im letzten Jahr ein erstes Abtasten gegeben! Wie genau dies ablief, weiß ich nicht. Schockierend genug war diese Information auf jeden Fall. Dass es bereits soweit gekommen ist, ist einfach nur schockierend.

Ungeahnte Reaktionen

Als ich dies daraufhin auf Twitter ansprach, waren viele Reaktionen nicht so, wie ich diese erwartet hatte. Denn nicht Wenige meinten, dass eher die Lehrer*innen Schuld daran seien. Warum wir denn Prüfungen erstellen würden, bei denen man ganz einfach schummeln könnte. Wir würden es denn Lernenden ja nur einfach machen.

Wie gesagt, habe ich damit nicht gerechnet. Schließlich gibt es Tests, die inhaltlich abfragen, was die Schüler*innen gelernt und wie gut sie während beispielsweise einer Unterrichtseinheit gearbeitet haben. Geht es um bekannte Inhalte, die allen Lernenden vorliegen, so können diese natürlich vorab auch auf Spicker geschrieben werden.

Mir erschließt sich nicht wirklich, wie daraufhin den Lehrkräften die Schuld gegeben werden kann. Schließlich werden auch bestimmte Formate, wie das Verfassen eines Bewerbungsschreibens vorab geübt. Wenn ich also in der darauffolgenden Überprüfung feststellen möchte, wie gut sie dieses Format beherrschen, so können sie auch hier theoretisch immer heimlich etwas vorbereiten, dass ihnen in der Prüfung selbst helfen könnte.

(Selbstverständlich gibt es bestimmt auch Lehrkräfte, die immer wieder denselben Test einsetzen oder nur simple Multiple-Choice-Tests oder ähnliche Formate zum Einsatz bringen. Diese laden wirklich zu sehr zum Schummeln ein. Ich spreche hier jedoch von den Lehrpersonen, die, wie ich, immer wieder neue Arbeiten konzipieren und alles daran setzen, Täuschungsversuche, soweit es geht, unmöglich zu machen.)

Ein weltweites Problem?

Anti-Schummel-Hüte

Nicht nur an unserer Schule werden stetig Überlegungen angestellt, wie Möglichkeiten des Täuschens in Prüfungen reduziert oder ganz verhindert werden können. Unvergessen sind die diesbezüglich erschienen Bilder, die in den letzten Tagen im Netz zirkulierten. Diese zeigen philippinische Schüler*innen mit ihren kreativen Anti-Schummel-Hüten. Der Auftrag bestand darin, jeweils eine Kopfbedeckung zu erstellen, die ihnen das Schummeln unmöglich machen würde. Wie effektiv diese wirklich sind, weiß ich natürlich nicht. Lustig anzusehen waren diese allemal. 

Als Cambridge-Prüferin weiß ich natürlich auch, dass das Schummeln in Multiple-Choice-Tests besonders leicht ist. Teil der Vorbereitung auf Prüfungsaufsichten ist auch das Anschauen von Videos, in welchen mögliche Täuschungsarten dargestellt werden. Bestimmte Bewegungen, die in einer Prüfung nicht natürlich sind, werden hierbei gezielt aufgezeigt. Beispielsweise gibt es Prüflinge, die gemeinsam eine Art Codesystem entwickeln, um sich während der Prüfung gegenseitig die Lösungen zu kommunizieren. Das können zum Beispiel Fuß- oder Handbewegungen sein, die eine bestimmte Bedeutung ausdrücken sollen.

Es scheint also ein weltweites Problem zu sein. Und je höher der Einsatz, desto mehr Schummler*innen scheint es zu geben. Handelt es sich also beispielsweise um eine Abschlussprüfung, die bei Bestehen das Recht auf einen Studienplatz ermöglicht, so werden noch mehr Prüflinge dazu geneigt sein, auf Hilfsmittel jeglicher Art zurückzugreifen.

Unzufriedenheit

Es ist schade, dass viele Schüler*innen den Sinn im Lernen immer weniger zu sehen scheinen. Mehr und mehr wählen den Weg des geringsten Widerstandes. Dass beispielsweise das Lernen von Vokabeln auf lange Sicht gesehen nur hilfreich sein kann, erschließt sich den Lernenden oftmals nicht. Und so werden ihre Wissenslücken immer größer. Von Schuljahr zu Schuljahr schleppen sie diese weiter mit sich herum. So lange, bis sie schließlich für die Haupt- oder Realschulprüfung oder für das Abitur lernen müssen und durch die vielen Wissenslücken riesige Probleme haben.

Dass diese Schwierigkeiten hausgemacht sind, wird ihnen dann vielleicht bewusst. Das Ganze aufzuholen und das in der wenigen Zeit, die zur Verfügung steht, gestaltet sich aber nicht als leicht. Dementsprechend versuche ich meinen Schülern*innen zu verstehen zu geben, weshalb ich beispielsweise in der Oberstufe Vokabellisten erstelle und diese Begriffe auch abfrage. (Der Großteil meiner Kollegen*innen hat anscheinend aufgehört, Vokabeln auszugeben, geschweige denn, diese abzufragen.)

Manche Schüler*innen nehmen dies an. Diesbezüglich hatte ich vor Kurzem ein schönes Erlebnis mit einer meiner Oberstufenklassen (elfte Klasse). In einem langen, von mir initiierten Gespräch haben die Lernenden über ihre Probleme in meinem Fach gesprochen. Gleichzeitig schienen sie auch wirklich zu begreifen, dass ich ehrlich danach strebe, ihre Kompetenzen in meinem Fach zu verbessern, sodass sie es in den beiden folgenden Schuljahren, die für das Abitur zählen, einfacher haben. Ich konnte in den darauffolgenden Schulstunden eine tatsächliche Verbesserung des Arbeitsverhaltens feststellen.

Es macht mich jedoch unzufrieden, wenn ich sehe, dass eine steigende Anzahl von Schülern*innen einfach keinerlei Interesse an einer persönlichen Verbesserung zeigt. Selbstverständlich kann ich meine Schülerschaft nicht zum Lernen und Arbeiten zwingen. Ich kann ihnen nur das Angebot machen. Was sie dann daraus machen, liegt ganz in ihrer Hand. Mich persönlich enttäuscht es jedoch, wenn meine Lernangebote so deutlich abgelehnt werden.

Abschließend…

Wie gesagt, bin ich enttäuscht von der steigenden Anzahl an Täuschungsversuchen, die meine Kollegen*innen und ich derzeit aufdecken. Wieviele unentdeckt bleiben, kann ich gar nicht sagen und vielleicht will ich es auch gar nicht wissen. Die Enttäuschung wäre doch noch größer. Unter uns Lehrkräften sagen wir manchmal bereits im Scherz, dass wir eines Tages die Lernenden mit der besten Schummeltechnik belohnen werden… Im Netz gibt es bereits viele Seiten, die Tipps zum effektiven Betrüben in Prüfungen geben.

Dass manche mit dem Finger auf Lehrer*innen zeigen und auf deren Testformate hinweisen, die es den Schülern*innen ja nur allzu leicht machen zu schummeln, empfinde ich als nur wenig hilfreich. (Davon nehme ich bloße Multiple-Choice-Tests und ähnliche Formate aus, die wirklich zu sehr zum Schummeln einladen.) Schließlich zielen viele Überprüfungen darauf ab, das erarbeitete Wissen zu überprüfen. Somit besteht hier stets die Möglichkeit, heimlich etwas vorzubereiten, was einem die Bearbeitung der Aufgaben während der Klassenarbeit oder sonstigem erleichtern kann.

Wie man dem Problem idealerweise beikommen kann, weiß ich nicht. Dementsprechend bin ich mir auch nicht sicher, ob bei der Vermeidung von Täuschungsversuchen eine Suche nach den Ursachen der ideale Weg ist. Sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben, sehe ich aber auf jeden Fall als wenig hilfreich, dem Problem angemessen zu begegnen. Grundsätzlich muss den Lernenden klar werden, weshalb eine Abkehr vom Schummeln der richtige Weg ist. Denn diese Erkenntnis sehe ich derzeit nicht bei ihnen. Solange ihnen dies nämlich nicht bewusst ist, werden wir auch noch weiterhin mit diesem Problem zu kämpfen haben.

Und Sie?

Mich würde interessieren, was Sie über Täuschungsversuche denken. Haben Sie eine Methode entwickelt, um die Schüler*innen vom Schummeln abzuhalten? Schreiben Sie mir gerne einen Kommentar oder eine persönliche Nachricht. Ich würde mich sehr über Ihre Gedanken, Anmerkungen und/oder Tipps freuen. 

Abbildungsverzeichnis:

Happy Birthday! – Lærari wird 2 Jahre alt!

Kaum zu fassen, dass es schon zwei Jahre her ist

Alles Gute zum zweiten Geburtstag!

Begonnen habe ich diesen Artikel am 17.10.2022. An jenem Tag vor genau zwei Jahren habe ich hier auf Lærari.com meinen ersten Artikel „Muss ich als guter Lehrer mein eigenes Leben aufgeben? – Auf der Suche nach einem Ausweg“ veröffentlicht. Meine grundsätzliche Motivation, meine eigene Website zu erstellen rührte daher, dass ich als Junglehrerin stetig Neues lerne oder entdecke. Dies möchte ich gerne mit allen Lehrern*innen teilen. Einerseits besteht meine Hoffnung darin, ihnen ihren Arbeitstag durch meine Tipps erleichtern zu können, andererseits erhoffe ich mir aber auch einen regen Austausch. Denn gerade als Junglehrer*in kann man stetig etwas dazulernen. Doch auch als langgestandene Lehrkraft gibt es noch Neues zu entdecken.

Lærari für die mentale Gesundheit

Obwohl ich Lærari insbesondere für die Unterstützung von Lehrkräften – sowohl Neueinsteigern*innen als auch Alteingesessenen – und den regen Austausch mit diesen ins Leben gerufen habe, so hätte ich mir nie gedacht, was diese Website mir persönlich geben würde. Diese hilft mir nämlich, mir über mein eigenes Leben als Lehrkraft und meinen Arbeitsalltag besser im Klaren zu werden. Wenn ich einen Artikel verfasse, so ist dies meine Zeit für mich. Aus diesem Grund merke ich den deutlich positiven Einfluss, den Lærari auf meine mentale Gesundheit hat.

Zu Beginn hätte ich dies nicht gedacht, aber das Schreiben tut mir gut. Wo andere Menschen Tagebuch schreiben oder Journaling betreiben, da schreibe ich Artikel. Es bereitet mir soviel Freude, dass ich dies auf jeden Fall weiter tun werde. Nicht umsonst erfüllt mich dieser Geburtstag mit soviel Stolz und Freude, dass ich mich fühle, als wäre es mein eigener.

Der erhoffte Austausch ist zwar leider bisher – mit Ausnahme der Kommentare zweier Besucher*innen – ausgeblieben, aber ich mache weiter. Schließlich ist das Schreiben auf Lærari.com für mich zu einem wichtigen Teil meines Lebens geworden. Den mangelnden Austausch mache ich quasi durch meine Aktivität auf Twitter wieder wett (Kontakt: @lingualaerari), mit der ich im letzten Sommer begonnen habe. Dennoch träume ich nach wie vor von einer regeren Kommunikation auf Lærari.com.

Was mich Lærari im letzten Jahr gelehrt hat

Letztes Jahr habe ich in meinem Geburtstagsartikel von zehn Dingen berichtet, die ich während des ersten Jahres des Schreibens hier gelernt habe. Auch dieses Mal war dies mein Ziel. Doch beim Durchblättern meiner Artikel, die ich im vergangenen Jahr geschrieben habe, musste ich schockierenderweise feststellen, dass speziell ein Thema eine Hauptrolle spielte: meine Müdigkeit.

In so vielen Artikeln spreche ich davon, dass ich müde sei, was mich zu der Zeit auslaugte und wie ich versuchte, Herr der Dinge zu werden. 

Dies beweist, was ich zuvor geschrieben habe: Dank Lærari kann ich nachverfolgen, wie es mir geht, auch auf mentaler Ebene. Ich kann mir dadurch bewusster werden, was mich umtreibt.

Abschließend…

Und somit möchte ich diesen Artikel mit einem Vorsatz, nein eher einem Beschluss – da man Vorsätze ja meist doch nicht umsetzt – beenden: Ich möchte alles daran setzen, meine physische wie auch psychische Gesundheit zu einer Priorität zu machen. Dies ist im Schulalltag nicht leicht, aber, wie gesagt, zeigen mir die vielen Artikel zum Thema Müdigkeit und Stress des vergangenen Jahres deutlich, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. 

Und somit kann ich mich nur wiederholen: Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass ich beim Schreiben von Artikeln nicht ausschließlich Worte zu Papier bringen, sondern auch etwas für mich persönlich tun würde.

Abbildungsverzeichnis:

Ein Austausch gegen die Ratlosigkeit

Ein neues Projekt

Austausch als Chance

Diese Woche möchte ich einmal von einem, meiner Meinung nach, recht außergewöhnlichen Projekt sprechen, welches nun an meiner Schule ins Leben gerufen wurde. Außergewöhnlich ist es zumindest für meine Arbeitsstätte. Soweit ich gehört habe, ist ein solches auch an anderen Schulen nicht unbedingt gang und gäbe. Zudem handelt es sich hierbei, wie ich finde, um eine sehr positive Entwicklung. Und zwar haben zwei Kolleginnen – eine unterrichtet Englisch, die andere Französisch – zu Beginn dieses Schuljahrs eine „Gruppe für den Austausch von Praktiken“ ins Leben gerufen.

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