Es ist noch kein (Fremdsprachen-)Lehrer vom Himmel gefallen.

Blogparade 2024 #3 – Die Attraktivität des Lehrberufs

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Dieses Mal möchte ich auch mal wieder an der EduBlogparade teilnehmen. Das Thema: „Morgens nicht recht, mittags nicht frei haben – trotzdem zufrieden. Was macht den Beruf des/der Lehrer*in so attraktiv?“

Bevor ich das diesmalige Thema zu Gesicht bekam, konnte ich bereits Herrn Mess‘s Reaktion darauf lesen (hier geht es zum Artikel: https://herrmess.de/2024/03/14/edublogparade-folge-3/). Diese fiel, zu seinem großen Unmut, eher ernüchternd aus. Denn bei den vielen Baustellen, die das Bildungswesen derzeit aufzuweisen hat – von maroden Gebäuden über erhebliche Krankheitsfälle zu vielfach drohendem Burnout -, fällt es schwer, den Lehrberuf noch als attraktiv zu bezeichnen.

Unmut

Obwohl ich bereits seit einer Weile nicht in Deutschland, sondern in der Elfenbeinküste unterrichte und das noch dazu an einer französischen Schule, die finanziell ganz gut ausgestattet ist, so haben auch wir hier mit unseren eigenen Problemen zu kämpfen. Auch ich bin in letzter Zeit nur wenig zufrieden mit meinem Beruf. Und auch darin gebe ich Herrn Mess recht: Es ist zu viel. Und das, obwohl ich, wenn ich mein Arbeitspensum mit dem meiner Kollegen*innen in Deutschland vergleiche, etwas weniger zu erledigen habe. Zumindest habe ich den Eindruck, dass dem so ist.

So habe ich beispielsweise keine endlos langen Abiturklausuren zu korrigieren, da beispielsweise in Englisch nur Klausuren von maximal zwei Stunden geschrieben werden. Da kommen natürlich vergleichsweise kürzere Texte zustande. Dafür arbeiten wir allerdings in Trimestern, sollen pro Trimester und pro Klasse beziehungsweise Kurs mindestens drei Noten erbringen, die auf den Hauptkompetenzen beruhen, und sollen noch dazu in der Oberstufe zwei Vergleichs-Klausuren pro Schuljahr korrigieren. Das läppert sich dann doch.

Auch habe ich nicht sonderlich Zeit, um mich bei der Erstellung einer Unterrichtseinheit wirklich vertiefend mit der Thematik auseinanderzusetzen. Das liegt auch daran, dass wir beispielsweise in der Oberstufe sechs (!) Themen pro Schuljahr abhandeln sollen. Selbst für die Elternarbeit habe ich nicht immer Zeit, obwohl auch diese dringend nötig wäre. 

Somit konzentriere ich mich auf das Essentielle: dass der Unterricht steht, die Schüler*innen ideal auf die jeweils anstehenden Prüfungen, Klassenarbeiten und Klausuren vorbereitet sind und die Korrekturen innerhalb der vorgegebenen Zeit erledigt werden. Für mehr reicht die Zeit oft einfach nicht. Vor allem dann nicht, wenn man auch mal Pausen machen möchte.

Gute Qualität oder gute Gesundheit?!

Ich habe das Gefühl, mit dem Erledigten nie richtig zufrieden sein zu können. Ich möchte gerne einen sehr guten Job machen, aber das macht mein Körper immer öfter nicht mehr mit. Und dabei bin ich vergleichsweise jung. Dass ich immer mal wieder ausfalle, weil ich einfach zu ausgelaugt bin, ist mir unangenehm. 

Es scheint so, als müsste man sich zwischen einer guten Qualität und der eigenen Gesundheit entscheiden. Etwas dazwischen gibt es kaum. Dass das Ganze dann noch dazu nicht in dem Maße wertgeschätzt wird, wie man es sich wünschen würde und wie dies eigentlich auch angemessen wäre, macht dann nur zusätzlich unzufrieden.

Wo soll das bitte enden???

Wenn ich noch dazu überlege, wieviele Jahre ich das Ganze noch zu tun habe, vorausgesetzt ich bleibe bis zum Ende meiner Berufslaufbahn Lehrerin, so macht sich noch mehr Unmut in mir breit. Vor allem ist ja auch die Frage, wie es weitergeht. Soll das jetzt etwa genauso bis zum Ende weitergehen? Mit all den Problemen des Bildungssystem und Verantwortlichen, die kaum ernsthaft versuchen, etwas an der Situation zu ändern?

Zur Zeit sehe ich (noch) kein Licht am Ende des Tunnels. Es ist auch nicht hilfreicher, wenn Kollegen*innen davon sprechen, dass sie ja zum Glück kurz vor der Pensionierung stehen. Sie müssten das Ganze ja nicht mehr so lange durchstehen. Für mich, die ich mich zu den Junglehrern*innen zähle, nicht sonderlich ermutigend. Wie das Ganze aber in Zukunft weitergehen soll… Ich habe keine Ahnung.

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Der Weltfrauentag in der Elfenbeinküste

  1. Wenn man sich zwischen Qualität und Gesundheit entscheiden muss, muss man die Gesundheit wählen. Keine Frage. Das ist nicht befriedigend für die Ansprüche. Kurz ärgern, kurz grübeln, dann wegwischen und und vorne beginnen. Das hat etwas von Mängelverwaltung, aber vielleicht wird es ja doch mal besser.

    • Laerari

      Danke für deinen Kommentar. Entschuldigung für die extrem verspätete Antwort. Ich gebe dir absolut recht: Die Gesundheit geht vor. Und ja, ich hoffe wirklich, dass es doch mal besser wird.

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