Quelle: https://www.amazon.com/Deep-Work-Cal-Newport-audiobook/dp/B0189PVAWY (letzter Zugriff: 23. Januar 2021)

Ich habe kürzlich das Hörbuch Deep Work. Rules for focused success in a distracted world von Cal Newport gehört (Die deutsche Übersetzung ist unter dem Titel Konzentriert arbeiten. Regeln für eine Welt voller Ablenkungen erschienen.). Dieses begeistert mich nach wie vor. Dabei ist selbstverständlich besonders interessant, was dieses Buch für Lehrkräfte bereit hält. Die Übersetzungen aus der englischen Sprache sind meine eigenen.

Was ist unter intensiver Arbeit zu verstehen?

Den Begriff ,intensive Arbeit‘ (deep work) bezeichnet der Autor des Buchs als eine Kompetenz. Genauer definiert er diese als professionelle Aktivitäten, die in einem Zustand ablenkungsfreier Konzentration ausgeführt werden, die eine Person bis zum Limit derer kognitiven Fähigkeiten treiben. Durch diese intensive Arbeit wird auch noch das kleinste Bisschen an Wert aus der eigenen intellektuellen Fähigkeit herausgeholt, ohne dass diese Arbeit leicht zu reproduzieren ist. Dabei gibt Cal Newport an, dass diese Arbeitsweise exakt der Typ an Bemühung ist, der in einem kognitiv anspruchsvollen Feld benötigt wird, um aus der Menge herauszustechen. 

Isolation für große Resultate

Hierbei geht es darum, sich bewusst Zeiten zu nehmen, in denen intensiv gearbeitet wird. Idealerweise sucht man sich hierfür einen Ort, an welchem man die Fähigkeit intensiv nachzudenken aufrecht erhalten kann. Hierbei kann es sich um eine private Bibliothek bis hin zu einer Hütte im Wald handeln. Ziel ist es, sich komplett oder zumindest soweit es geht zu isolieren – speziell vom Internet, wenn möglich -, um sich so stark zu konzentrieren, dass man in eine Art „Fluss“ (flow) gelangt, der einen große Ergebnisse erzielen lässt. Dieses Engagement lässt sich auch im Leben bekannter und einflussreicher Persönlichkeiten wiederfinden, wie Woody Allen, J.K.Rowling und Bill Gates. 

Die Fähigkeit, intensive Arbeit ausführen zu können, hat dabei einen großen Wert, da es uns ermöglicht, uns dem steten und immer schneller werdenden Wandel der heutigen Arbeitswelt anzupassen und stetig up-to-date zu bleiben. Gleichzeitig sind Resultate intensiver Arbeit nützlich für die jeweilige Zielgruppe

Unter letzterem verstehe ich unsere Schüler*innen bezogen auf die Inhalte für unseren Unterricht und unsere Kollegen*innen bezogen auf neue Methoden und Werkzeuge für unseren Unterricht, die man mit ihnen teilt oder ihnen vorstellt.

Will man erfolgreich sein, so ist es nötig, das absolut Beste zu erstellen, zu dem man in der Lage ist. Eine Aufgabe, die ein intensives Arbeiten verlangt. Wer somit die ganze Zeit auf Facebook rumsurft, kann nicht mit den gleichen Resultaten rechnen, wie jemand, der sich intensiv auf seine Arbeit konzentriert. 

Zersplitterte Aufmerksamkeit

Speziell gilt es, einer Sache absolute Priorität zu schenken und schwer erreichbar zu sein, um sich über längere ununterbrochene Zeitabschnitte auf diese zu konzentrieren und nicht permanent unterbrochen zu werden. Im Wissensbereich arbeitende Menschen – wozu ich auch Lehrkräfte zähle –  scheinen jedoch den Wert intensiven Arbeitens vermehrt zu vergessen. Dies kommt erwiesenermaßen durch die zunehmende Verwendung von Kommunikationsdiensten. Zu diesen gehören Email, soziale Netzwerke wie Whatsapp und Facebook sowie Infotainment-Webseiten (Information + Entertainment) wie Reddit oder Buzzfeet. Zudem liegt es an den permanenten Zugriffsmöglichkeiten auf diese Dienste via Smartphone und Computer, wodurch die Aufmerksamkeit vieler Menschen ziemlich zersplittert ist. 

Seichte Arbeit

Eine bruchstückhafte Aufmerksamkeit verträgt sich selbstverständlich nicht mit dem intensiven Arbeiten, welches nunmal lange Zeitspannen ununterbrochenen Denkens erfordert. Gleichzeitig berichten Wissensarbeiter*innen oft davon, dass sie aber so beschäftigt sein, wie noch nie zuvor. Das liegt nach Ansicht des Autors, an seichter/oberflächlicher Arbeit (shallow work), dem Gegenteil intensiver Arbeit. Diese definiert er als kognitiv nicht anspruchsvolle Aufgaben, die oft im ablenkten Zustand ausgeführt werden. Diese Bemühungen führen tendenziell zu keinem neuen Nutzen in der Welt und sind leicht zu wiederholen. Somit ersetzen Wissensarbeiter*innen in unserer Zeit der Netzwerkdiensten die Zeit des intensiven Arbeitens mit derer des seichten Arbeitens, indem sie stetig Nachrichten versenden und empfangen, und sich zusätzlich in kurzen Pausen ablenken lassen. Oftmals ist es gar kein gewolltes Verhalten, aber oft ist es schwer, sich vom permanenten Schauen nach Nachrichten abzuhalten. Das Problem? Konzentriert zu bleiben.

Medien…

Unsere allgemeine Arbeitskultur driftet immer mehr in den seichten Bereich. Bereits unsere Suche nach Informationen hat sich erheblich geändert. Hat man früher noch länger nachgedacht oder Bücher gewälzt, so reicht heute eine (in der Regel) kurze Google-Recherche und schon hat man das Ergebnis. Das Gehirn selbst wird dabei immer weniger angestrengt. Das größte Problem scheint laut zunehmender Belege jedoch zu sein, dass dieses Abdriften in ein seichtes Arbeiten nicht einfach so revidiert werden kann. Wird viel Zeit in einem Zustand dieser steten Oberflächlichkeit verbracht, so kann sich die Fähigkeit, intensive Arbeit verrichten und sich dauerhaft konzentrieren zu können, permanent reduzieren. Um dagegen anzugehen, ist ein bewusstes Abschalten von genannten Medien nötig. 

Die Superpower

Das intensive Arbeiten ist so wichtig, dass es als „die Superkraft des 21. Jahrhunderts“ (the superpower of the twenty-first century) bezeichnet werden kann. Und gleichzeitig wird es immer seltener, obwohl dessen Wert gleichzeitig immer mehr an Bedeutung gewinnt. Aus diesem Grund können diejenigen, die sich diese intensive Arbeitsweise zu Eigen machen, nur von Erfolg gekrönt werden, da sie aus der Masse herausstechen. 

Übung

Hierfür ist es jedoch unbedingt notwendig, dass eigene Gehirn zu trainieren. Es gilt, schwer zu erreichen zu sein und sich mit allergrößter Konzentration der eigenen Arbeit zu widmen. Ein komprimierter Arbeitsplan wird ermöglicht, wenn man sich bemüht, das Oberflächliche im eigenen Leben zu minimieren, während das Meiste aus der eigenen Zeit herausgeholt wird. Das befreit. 

Anstatt dabei Zeiten intensiven Arbeitens um den eigenen Tag herum zu bauen, sollte dies umgekehrt geschehen. Der Tag sollte um einen Kern sorgfältig ausgewählter intensiver Arbeit geplant werden. Unvermeidliche seichte Aktivitäten wie das Schreiben von Emails oder dergleichen sollten dabei in kleineren Einheiten gen Ende des Arbeitstags zusammengefasst werden. Wenn möglich, sollte beispielsweise während drei bis vier Stunden pro Tag innerhalb einer Fünftagewoche intensiv gearbeitet werden. Hierdurch wird viel wertvoller Output ermöglicht. Wer auf diese Weise arbeitet, ermöglicht sich selbst, mehr Zeit für die eigene Familie oder Hobbys zur Verfügung zu haben. 

Ein intensives Leben ist ein gutes Leben.

Der Autor betont, dass er durch die Abwesenheit von Ablenkung in seinem Leben zunehmend weniger Nervosität verspürt, die vermehrt in das tägliche Leben vieler Menschen kriecht. Diejenige nämlich, sich unwohl zu fühlen, sobald sie sich langweilen. Was es zu tun gilt, ist folgendes: Das eigene Leben um intensive Arbeit herum wieder neu aufzubauen. Es geht darum, die Fähigkeit zu kultivieren, echten Nutzen in einer zunehmend abgelenkten Welt zu produzieren. Dazu fügt Cal Newport hinzu: “A deep life is a good life.“


Zusammenfassend hier nun die Aspekte, die ich aus diesem Teil besonders für mich mitgenommen habe: 
  1. Intensive Arbeit – die Superkraft des 21. Jahrhunderts – wird im Zustand ablenkungsfreier Konzentration ausgeführt, was beispielsweise ohne Emails bedeutet. Hierdurch gerät man in einen Fluss, der großartige Resultate entstehen lässt und einem ermöglicht, stetig auf dem neuesten Stand zu sein. 
  2. Hierfür empfiehlt es sich, sich zu isolieren, um ungestört zu sein. 
  3. Durch vermehrte Zugriffsmöglichkeiten auf Kommunikationsdienste wie Email und soziale Medien geschieht oft das Gegenteil – zunehmende Ablenkung. Gleichzeitig entsteht aber das Gefühl, besonders geschäftig zu sein. Das stimmt auch, aber man umgibt sich hierbei mit seichter Arbeit, dem Gegenteil intensiver Arbeit.
  4. Ein intensives Arbeiten benötigt Übung. Wird dieses beherrscht und stetig für einen längeren Zeitabschnitt derartig konzentriert gearbeitet, so ermöglicht man sich selbst mehr Zeit für Familie und Hobbys.