Im Anschluss an die letzte Schießerei an einer Schule in den USA schrieb ich den Artikel „Waffengewalt an Schulen – Eine Reflexion“. In diesem Artikel stellte ich auch die Frage: Wieviele Schießereien braucht es noch, damit die Menschen endlich begreifen, dass „mehr Waffen“ nicht die Lösung ist? Denn nur allzu oft meinen Menschen, sich mit Hilfe einer Waffe gegen bewaffnete Angreifer*innen schützen zu müssen. Statt für mehr Sicherheit zu sorgen, holt man sich hierdurch aber viel mehr die Gefahr ins Haus. 

Waffenrecht an Schulen

Und nun musste ich vor ein paar Wochen lesen, dass in Ohio, USA, ein Waffenrecht für Lehrer*innen eingeführt wurde. Seit dem 13. Juni 2022 erlaubt dieses, Lehrkräften (und auch Hausmeistern*innen und Busfahrern*innen), auf der Arbeit eine Waffe mit sich zu führen. Und das ohne eine gesonderte Genehmigung. Wie auch schon andere Menschen vor ihm, sieht der Gouverneur Mike DeWine dieses Gesetz als eine Verbesserung der Schutzmaßnahmen an. So dankte er den Gesetzesmachern*innen “for passing this bill to protect Ohio children and teachers“ (The Guardian 13.06.2022). 

Lehrern*innen zu ermöglichen, im Klassenzimmer eine Waffe mit sich zu führen, ist also eine Sicherheits- bzw. Schutzmaßnahme…? Schon dies erachte ich als gefährlich, denn wie schnell kann ein ungewolltes Unglück passieren, wenn sich Kinder und Waffen in einem Raum befinden. Neben dieser Ermöglichung des Tragens einer Waffe im Klassenzimmer müssen diese Personen aber noch dazu nicht mehr die ursprünglich geforderten 700 Stunden an Training absolvieren. Nun sind es nur noch 24 (!) Stunden. Des Weiteren müssen die bisher notwendigen Hintergrundüberprüfungen einer Person nicht mehr getätigt werden.

Wo soll das hinführen?

Ich persönlich frage mich, wohin diese neue Entscheidung führen soll. Halten die Menschen dort dies wirklich für normal und hinnehmbar? Es ist, als würden sich die USA ihr eigenes Grab schaufeln, so sehr wird darauf geachtet, das Recht auf das Tragen einer Waffe bloß unangetastet zu lassen. Noch dazu darf die Waffenlobby, die zudem einen erheblichen finanziellen Beitrag für die US-amerikanische Politik leistet, scheinbar nicht verschreckt werden.   Denn sonst würden ernsthafte Bemühungen um verschärfte Waffenrechte nicht immer wieder im Sande verlaufen. 

Wer dabei aber auf der Strecke bleibt, sind die Kinder und die unbescholtenen Bürger*innen, die einfach nur in Ruhe leben möchten – ohne Waffen und ohne Gewalt. Wenn die große Anzahl an Waffen, die sich in den USA im Umlauf befindet, aber mehr und mehr Menschen quasi dazu zwingt, sich als Schutzmaßnahme ebenfalls zu bewaffnen, dann kann und will ich mir nicht vorstellen, wohin dies schlussendlich führen könnte. Wenn nun Lehrer*innen in Ohio schon ohne Probleme an eine Waffe gelangen und diese tendenziell auch innerhalb des Schulgeländes benutzen können, dann kommen wir hier nicht weiter. 

Ich stelle dann auch Überlegungen an, was der nächste Schritt sein könnte. Folgt auf das problemlose Mitführen einer Waffe, dass irgendwann auch Eltern Waffen für ihre Kinder fordern? So könnten sich diese doch auch gegen Angreifer*innen verteidigen… So absurd dies klingen mag, so kann ich mir bei dieser, meiner Meinung nach, idiotischen Debatte inzwischen alles vorstellen. 

Was tun bei Sonderfällen?

Beim Schreiben meines Artikels kam mir aber auch noch ein weiterer Gedanke. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit gering, aber dennoch darf dieser nicht ausgeschlossen werden:

Was auch nicht beachtet wird, ist nämlich, dass sich auch unter den Lehrkräften Menschen mit beispielsweise für Mitmenschen potenziell gefährlichen psychischen Problemen befinden können. Ich sage hier bewusst „können“, da mir diesbezüglich keinerlei Statistiken untergekommen sind. Wenn diese Personen nun so problemfrei eine Waffe mit sich im Schulgebäude führen können und auch keinerlei Hintergrundchecks mehr nötig sind, dann will ich mir die eventuellen Folgen gar nicht ausmalen.

Vielleicht übertreibe ich, aber auch diese Möglichkeit sollte man nicht außer Acht lassen. Auch dann nicht, wenn es sich bei diesen Problemfällen um eine verschwindend geringe Anzahl handelt. Bevor Menschen eine Waffe mit sich tragen dürfen, sollte niemals auf diese Hintergrundüberprüfungen verzichtet werden.

Abschließend…

Ich weiß nicht, wohin diese Debatte um das Recht des Tragens einer Waffe führen wird, aber Sorgen mache ich mir. Mit dieser neuen Gesetzesentscheidung in Ohio, wodurch das Mitführen einer Waffe im Unterricht für Lehrer*innen vereinfacht wird, wird, meiner Ansicht nach, ein weiterer Schritt hin zu noch mehr Waffengewalt getan. Denn eine Situation kann auch falsch eingeschätzt werden. Da muss sich nur jemand in der Tür irren und schon könnte diese Person als potenzielle*r Angreifer*in erachtet werden. Vielleicht übertreibe ich mit meinen Überlegungen hier. Als Lehrkraft stelle ich mir ein Unterrichten mit einer Waffe jedoch in meiner Nähe als wenig angenehm vor.

Nun könnte man dieses Problem auch einfach ignorieren, wenn man nicht in den USA lehrt. Das empfinde ich allerdings als nicht richtig. Nur, weil ich nicht in den Vereinigten Staaten unterrichte, heißt das noch lange nicht, dass mich das Schicksal meiner Kollegen*innen dort nichts angeht. Es beschäftigt mich sehr. Für die Zukunft hoffe ich sehr, dass die dortigen Politiker*innen endlich aufwachen bzw. endlich die richtigen Personen an den richtigen Schalthebeln sitzen werden. 

Es kann nicht sein, dass das Recht auf Waffen immer wieder auch die Klassenzimmer trifft. So sehr diese Denkweise für mich nur logisch ist, so sehr scheint dies für die Befürworter*innen des Tragens von Waffen nicht der Fall zu sein. Und so bleibt die Entwicklung diesbezüglich in der Zukunft leider nach wie vor unklar. Hoffen wir das Beste.

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis:

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