USA-Waffenrecht

Angesichts der erneuten Schießerei an einer Schule in den USA, die sich am 24. Mai 2022 zugetragen hat, möchte ich heute nicht über etwas Lehrreiches für den Unterricht bzw. Unterrichtsalltag sprechen. Stattdessen möchte ich mein Unverständnis dafür ausdrücken, dass es in den Vereinigten Staaten nach wie vor so oft zu Schießereien an Schulen kommt. Die Orte, an denen die Kinder vermeintlich in Sicherheit sein sollten, werden immer wieder zur Zielscheibe von Angreifern. Dabei gelangen diese Menschen immer wieder ungehindert in diese Gebäude und können daraufhin auf alles schießen, was sich bewegt. Wie ist das möglich?

Bowling for Columbine

Bowling for Columbine – Filmposter

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass meine Englischlehrerin, als ich selbst Schülerin war, die Klasse eines Tages im Kino hat Michael Moores „Bowling for Columbine“ anschauen lassen. Vorab wusste ich nicht so wirklich, was ich zu erwarten hatte, und auch direkt im Nachhinein war ich mehr oder weniger verwirrt, aber über all die Jahre hinweg wird mir die Wichtigkeit dieses Dokumentarfilms immer bewusster. In diesem Film geht es neben der generellen Waffengewalt in den USA prinzipiell um zwei Schützen, die 1998 ungehindert in ihre damalige Schule gelangen konnten, um dort wie wild auf Schüler*innen und Lehrer*innen zu schießen. Das traurige Resultat dieses Schulmassakers waren 12 Schüler*innen und ein Lehrer, die regelrecht hingerichtet worden waren.

NRA und Wahlkampagnen

Wohlgemerkt trug sich diese Schießerei vor 24 Jahren zu. Und dennoch scheint sich in den USA nichts an der Situation verändert zu haben. Die Waffen-Lobby, die sich speziell durch die NRA (National Rifle Association) darstellt, ist immer noch genauso stark wie zuvor. Bei der NRA handelt es sich um eine US-Amerikanische Organisation, die das Recht auf freien Waffenkauf verteidigt. Zur Zeit der Präsidentschaft Donald Trumps war deren Macht sogar noch stärker. Dieser versprach sogar in einer Rede im Rahmen einer Versammlung der NRA, dass, solange er Präsident sei, das „Second Amendment“, also dar Zusatzartikel zur Verfassung der USA, welches das Tragen einer Waffe gestattet, unangetastet bleiben würde. Laut einer Statistik wurde ein großer Teil der Wahlkampagne Trumps sogar von der NRA finanziert. Mich wundert da gar nichts mehr.

Uvalde

Und nun wurde auch noch eine Grundschule in Uvalde, Texas, angegriffen. Warum? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Was haben diese kleinen Wesen dem Angreifer denn bitte getan? Was soll das Ganze? Und dann noch das Leid der Hinterbliebenen. Dieser unvorstellbare Schmerz, den diese nun erleiden…

Ich schreibe diesen Artikel am Donnerstag, den 02. Juni 2022, und heute morgen gab es auch schon wieder eine Schießerei in den USA. Diesmal zwar nicht an einer Schule, dafür aber in einem Krankenhaus.

Wieviele Schießereien braucht es noch, damit die Menschen endlich begreifen, dass „mehr Waffen“ nicht die Lösung ist? Denn viel zu oft meinen Menschen, dass sie in einem derartigen Fall unbedingt eine Waffe benötigen, um sich zu schützen. Aber genau hierin liegt ja das Problem. Zu viele und ein zu leichter Zugang zu Waffen. Denn auch, wenn es derartige Vorfälle auch schon in anderen Ländern, auch in Deutschland, gegeben hat, so ist deren Anzahl doch erheblich niedriger, da eben nicht fast jeder Mensch quasi ungehindert eine Waffe kaufen kann.

Schießereien = Schulalltag???

Nicht nur, weil ich selbst Lehrerin bin, frage ich mich, wie denn bitte der Schulalltag an den Schulen in den USA weitergehen soll. Müssen Schießereien nun schon als Alltag an Schulen angesehen werden? Wie können Eltern ihre Kinder ruhigen Gewissens zur Schule schicken, wenn noch nicht einmal diese Orte vor Angriffen sicher sind? Wie können Lehrkräfte ihrer Arbeit nachgehen, ohne unterschwellig stetig das nagende Gefühl zu verspüren, nicht wirklich sicher sein zu können?

Die Angreifer scheinen ja noch dazu keinerlei Grund zu brauchen. Es geht also auch nicht um Rache in jeglicher Form. Man kann sich also auch nicht durch ein besseres Verhältnis mit den eigenen Schülern*innen schützen. Es gibt keinen Schutz. Und das ist das Heftige. Die Idee, nun die Lehrkräfte mit Waffen auszurüsten und damit so ziemlich die Ursache des Problems in die Schulen zu holen, löst in mir ein sehr mulmiges Gefühl aus. Ich selbst empfinde dies als kontraproduktiv.

Die letzten Tage habe ich beim Ausführen meiner Tätigkeit als Lehrerin viel darüber nachgedacht, wie es den Lehrern*innen dort wohl gehen muss. Dabei ist mir aber auch klar geworden, dass weltweit eigentlich niemand sicher sein kann, dass nicht eines Tage ein irrer Mensch die eigene Arbeitsstätte stürmt, um Menschen wie Wild einfach über den Haufen zu knallen. In manchen Ländern ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines derartigen Massakers zu werden, zwar größer als in anderen, aber dennoch kann sich eigentlich so niemand wirklich sicher sein.

Abschließend…

Zuletzt möchte ich für die Familien der Opfer aber auch für alle anderen Menschen, die in jeglicher Form von einer derartigen Schießerei betroffen sind, mein tiefstes Mitgefühl ausdrücken. Ich kann mir in keinster Weise vorstellen, wie es ihnen in dieser Situation gehen muss. Es muss auf jeden Fall schlimm sein. 

Ich, die in Deutschland aufgewachsen ist, kann auf jeden Fall nicht verstehen, warum nicht endlich etwas an den US-Amerikanischen Gesetzen, speziell dem „Second Amendment“, geändert wird. Wie viele Opfer braucht es noch, bis endlich das ewige Rumgeschieße aufhört? Denn es geht ja nicht nur um die Schießereien an Schulen. Auch so sterben viel zu viele Menschen, weil eine Waffe in die falschen Hände gelangt, mitunter sogar in Kinderhände. 

Gleichzeitig wird die weitere Entwicklung mit Sicherheit wieder dieselbe sein wie bereits zuvor: ein riesiger Aufschrei der Bevölkerung, der jedoch genauso schnell verebbt, wie er gekommen ist. Ich kann nur hoffen, dass die Menschen irgendwann endlich aufwachen und tatsächlich etwas verändern werden. Denn so kann es wirklich nicht weitergehen. 

Abbildungsverzeichnis: