Wenn ich zuletzt von den Problemen zum Schuljahresende hin gesprochen habe, so ging es zumeist darum, dass es sich beim Sammeln von Noten und Schreiben von Zeugniskommentaren um einen anstrengenden Prozess handelt. Heute möchte ich mich mal nicht zu diesem Aspekt äußern. Denn ein weiterer Punkt, der einem das Schuljahresende unnötig verkompliziert, ist der, nach dem Notenschluss noch weiterhin Unterricht erteilen zu müssen.

Notenstopp = Motivationsstopp!?

Let’s get ready to rumble…

Selbst dann, wenn die offizielle Zeugnisvergabe am letzten Tag stattfindet, so wissen die Schüler*innen doch ganz genau, wann die Notenvergabe endet und wann die Zeugnisse geschrieben sind. Ab diesem Zeitpunkt können die Lernenden zumeist kaum noch dazu motiviert werden, überhaupt noch irgendetwas zu tun. Der offizielle Notenschluss lag dieses Jahr an meiner Schule am Freitag, den 27. Mai. Danach sollen die beiden letzten Jahrgänge noch eine weitere Woche zur Schule kommen, die Jahrgänge 10 und 9 noch zwei und die unteren Jahrgänge noch drei weitere Wochen dem Unterricht beiwohnen. Je höher das Klassenniveau, desto wahrscheinlicher werden die Schüler*innen nach dem Notenschluss jedoch nicht mehr zum Unterricht erscheinen, Schulpflicht hin oder her.

Als Maßnahme wurde bei uns nun offiziell kommuniziert, dass Noten noch 48 Stunden vor der jeweiligen Zeugniskonferenz einer Klasse eingetragen werden können. Dies soll den Druck erhöhen, sodass die Lernenden noch zur Schule kommen und auch noch gezwungen sind, im Unterricht mitzuarbeiten. Die Frage ist dabei, was man zum Abschluss des Schuljahres machen kann, um die Lernenden noch einigermaßen bei der Stange zu halten. Man kann ja schlecht zwei Wochen lang nur Filme gucken. Selbst Schüler*innen fangen dann schlussendlich an, sich zu langweilen. Denn dies wirkt nunmal mehr als eine Beschäftigungstherapie als ein sinnhafter Schulbesuch. Aber die Lernenden in den letzten Wochen zum Mitarbeiten anzuhalten oder dazu, dem Unterricht überhaupt etwas Aufmerksamkeit zu schenken, empfinde ich als einen ewigen Kampf. Mich als Lehrkraft nervt es oftmals einfach nur, speziell in Klassen, die generell nur mit Mühe zum Arbeiten gebracht werden können.

Seien wir mal ehrlich… 

Gleichzeitig wissen doch alle, dass im Anschluss an den Notenschluss kaum jemand noch etwas an den Noten ändern wird. In meinem Fall werden höchstens noch drei Nachschreiber*innen die jeweils versäumte Klassenarbeit beziehungsweise Klausur nachholen. Ansonsten habe ich jedoch bereits alle geforderten Noten zusammen, inklusive der mündlichen Noten. Diese sind hier zwar nicht verpflichtend zu geben, wie beispielsweise in Deutschland, aber ich finde es eine gute Maßnahme, um die Lernenden zum Mitarbeiten zu motivieren. Die, die gerne mitmachen, sollen zudem auch sehen können, dass sich dies lohnt.

Abgesehen davon, dass ich bereits alle notwendigen Noten beisammen habe, werde ich auch deshalb keine weitere Überprüfung einsetzen, da auch ich die Anstrengungen des Schuljahres spüre. Da man als Lehrkraft nunmal nicht nur unterrichtet, sondern auch eine Vielzahl anderer Aufgaben zu erledigen hat, spürt so gut wie jede/r schlussendlich, was dies vom eigenen Körper und Geist abverlangt. 

Korrekturen sind noch dazu zeitaufwendig. Diese Zeit benötige ich jedoch an anderer Stelle: In dem Schulsystem, in welchem ich derzeit arbeite, habe ich nicht nur eine Beurteilung zu jeder/m Schüler*in für das Trimester zu schreiben. In bestimmten Klassenstufen habe ich zum Schuljahresende noch dazu einen Kommentar für das ganze Jahr zu schreiben, sprich zwei Kommentare pro Lernender/m. Dies betrifft fünf meiner sechs Klassen. Obwohl ich bereits frühzeitig hiermit begonnen habe, so nimmt auch dies viel Zeit in Anspruch. Zeit, die ich somit nicht noch für weitere, nicht zwingend notwendige Überprüfungen zur Verfügung stehen habe und die ich auch nicht gewillt bin, von meinem Freizeitkonto abzuzwacken.

Alternativen zum Filmschauen

Was kann man also tun, um die Schülerschaft noch etwas zum Durchhalten zu motivieren, ohne ausschließlich auf das Anschauen von Filmen zurückzugreifen?

1. Ausflüge und Spiele

Hochseilgarten

Als ich Schülerin war, so wählten viele Lehrkräfte den Gang zur Eisdiele um die Ecke als einen Teil der Programminhalte der letzten Stunden vor Schuljahresende. Wenn dies in Ihren Möglichkeiten liegt, so lässt sich hiermit zumindest eine Stunde Unterricht füllen. Dies sollte man allerdings nicht allzu oft tun. Ich erinnere mich noch gut, dass unsere Klasse einmal innerhalb eines Tages zweimal dorthin gegangen ist, weil zwei verschiedene Lehrkräfte die gleiche Idee hatten. Wenn möglich, so könnte man auch einen Ausflug unternehmen. Dieser sollte natürlich idealerweise frühzeitig angekündigt und geplant werden.

Spiele im Unterricht

Auch das Spielen im Unterricht kann eine hervorragende Alternative zum Filmschauen darstellen. Dies hängt jedoch auch von der jeweiligen Klasse ab. So habe ich beispielsweise zur Zeit einen Oberstufenkurs (11. Klasse), der sich als sehr anstrengend zeigt – nicht nur bezüglich des Arbeitsverhaltens, sondern auch im allgemeinen Zusammenspiel der Klasse. In einer derartigen Gruppe bevorzuge ich das Anschauen von Filmen. In Klassen, in denen die Atmosphäre jedoch positiv ist, lässt sich hervorragend spielen. So bieten sich hier Spiele wie „Die Werwölfe vom Düsterwald“ an, die die ganze Klasse mit einbeziehen.

2. Vorbereitung

Eine weitere Option bietet sich speziell in Klassen an, welche beispielsweise im darauffolgenden Schuljahr eine wichtige Prüfung wie das Abitur, den Haupt- oder Realschulabschluss absolvieren werden. In diesen Klassen kann es sich als eine gute Idee erweisen, wichtige Dinge noch einmal zu wiederholen beziehungsweise zu üben, die sich im Jahr danach als sehr wichtig erweisen werden. Auch für Dinge, für die im Verlauf des Schuljahres zu wenig Zeit bestand, können sich die Stunden zwischen dem Notenschluss und dem letzten Schultag gut eignen.

Ich empfinde es allgemein am einfachsten, wenn ich die Klasse nach ihrer Meinung frage. Ist diese mit diesen Unterrichtsinhalten der letzten Stunden einverstanden, so hat man definitiv den Rückhalt der Schüler*innen und muss sich nicht über mangelnde Motivation beklagen. Man schlägt somit zwei Fliegen mit einer Klappe: Beschäftigung und Übung beziehungsweise Vorbereitung.

3. Projekte

Filme im Unterricht

Anstatt einen Film anzuschauen, könnten die Schüler*innen auch einen kurzen Film beziehungsweise ein Video drehen oder ein ähnliches Projekt in die Tat umsetzen. Eine Kollegin hat mit ihrer Klasse beispielsweise eine Art Zeitschrift erstellt. Das hängt natürlich von der Zeit ab, die zur Verfügung steht. Da es für diese Aufgabe in der Regel keine Noten mehr geben würde, müsste die Motivation eine mehr oder weniger intrinsische sein. Fragen Sie also am besten auch in diesem Fall nach, was die Schüler*innen hiervon halten.

Abschließend…

Das Unterrichten nach Notenschluss ist in vielen Fällen sehr anstrengend. Das hängt von Klasse zu Klasse ab. Handelt es sich um eine, die das ganze Schuljahr über schon sehr schwer zum Arbeiten angehalten werden konnte, so handelt es sich hierbei um eine Mammutaufgabe. Obwohl an meiner Schule nun offiziell kommuniziert wurde, dass noch bis zu 48 Stunden vor der jeweiligen Zeugniskonferenz einer Klasse Noten eingetragen werden können, so können sich die Lernenden bereits denken, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass nach dem offiziellen Notenschluss noch eine Überprüfung eingesetzt wird. Nur in einer Hinsicht ist diese Entscheidung gut: Benimmt sich jemand permanent im Unterricht daneben, so kann dies auch noch bis zur Zeugniskonferenz kommuniziert werden.

Wie man die verbleibende Zeit nach dem offiziellen Notenschluss füllt, sollte vom jeweiligen Zusammenspiel einer Klasse abhängig gemacht werden. Funktioniert dieses gut, so können sich Aktivitäten wie Ausflüge oder Spiele – fachbezogen oder nicht – gut anbieten, um die Zeit einigermaßen sinnvoll zu gestalten. Sollte das Klassenklima jedoch weniger angenehm sein, so würde ich doch eher zu einer mehr oder weniger passiven Aktivität – wie das Anschauen eines Films – tendieren, um mir selbst das Leben nicht unnötig schwer zu machen.

Schließlich darf man nicht vergessen, dass auch wir Lehrkräfte am Ende eines Schuljahres in der Regel erschöpft sind. Aus diesem Grund empfehle ich, pro Klasse die Option zu wählen, die einem ermöglicht, das Jahr am einfachsten und entspanntesten ausklingen zu lassen.

Abbildungsverzeichnis: