Lehrersein. Ist dies nun ein Beruf oder mehr eine Berufung? Etwas, was eine Berufung ist, scheint mir doch etwas zu sein, was grundlegend das Leben bestimmt. Und so kommt es mir als Lehrkraft oftmals so vor, als hätte man gar keine Zeit mehr für sich selbst. Es gibt immer noch etwas zu tun. Das Klischee, dass man als Lehrkraft ja sooo viel Zeit hätte, gehört definitiv der Vergangenheit an, auch wenn es mitunter garantiert noch Lehrer*innen gibt, die nach wie vor nach dieser alten Methode arbeiten und leben. Die Frage ist aber dennoch, ob der Lehrerberuf dauerhaft das ganze Leben bestimmen darf bzw. ob man dies akzeptieren will.

Sport und Schlaf

Sport bzw. körperliche Betätigung und Schlaf. Viele können es schon nicht mehr hören, aber leider gehört beides dennoch mit zum Arbeitsalltag einer Lehrkraft dazu – oder sollte dies zumindest. Seit Beginn des Studiums habe ich immer wieder – ja, auch dank der guten alten Prokrastination – alles aufgeschoben, bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich es nicht mehr länger aufschieben konnte. Und was ich die ganze Zeit geopfert habe – da ich ja „keine Zeit“ hatte – waren der Sport bzw. die körperliche Betätigung und der Schlaf. Schlafen konnte ich ja später auch noch – auch wenn ich noch so hundemüde im Klassenzimmer stand. Darunter hat meine Leistung natürlich deutlich gelitten. Ja, wir sind Fremdsprachenlehrer und benötigen unseren Kopf. Und selbst dann, wenn wir die ganze Zeit im Klassenzimmer umherlaufen (ich selbst sitze äußerst wenig bis eigentlich gar nicht während des Unterrichtsgeschehens), so benötigen wir dennoch einen Ausgleich.

Abschalten: Körper und Geist

Ich habe gelernt, dass man bei einer geistigen Tätigkeit als Ausgleich eine körperliche Tätigkeit ausführen sollte und umgekehrt. Es muss nicht gleich Laufen oder das Fitnessstudio sein, auch ein einfacher Spaziergang hilft. Tipps wie Meditation haben mir deshalb wohl auch bisher nicht so wirklich geholfen, weil es sich dabei ja auch wieder um eine in erster Linie geistige Tätigkeit handelt. Wer als Lehrkraft stetig den Kopf gebraucht, benötigt genau das Gegenteil zum Abschalten. Es ist zwingend nötig, einfach mal abzuschalten und nicht am gleichen Platz sitzenzubleiben. 

Mitunter kann dies auch bei möglichen Problemen helfen. Anstatt stetig über einer Sache zu grübeln, sich quasi festzubeißen, ist es besser, sich in Bewegung zu setzen und einfach mal etwas völlig anderes zu tun. Mitunter kommt einem plötzlich die geistige Eingebung, die man vorher am Schreibtisch auch nach Stunden nicht gefunden hat. 

Ich bin so müde, dass ich gar keine tollen Ideen habe…

Neben dem Sport spielt, wie gesagt, auch der Schlaf eine wichtige Rolle. Egal, in welchem Beruf. Im Leben einer Lehrkraft ist dieser deshalb so wichtig, da man so viele Dinge zu erledigen hat. Oftmals sogar gleichzeitig. Wenn der Geist aber nicht richtig funktioniert, so stellt einen dies vor riesige Hürden. In meinem Fall führte mich dies zu einer erhöhten Fehleranzahl. Schon bei den einfachsten Wörtern musste ich mehrmals nachdenken, wie diese geschrieben werden – egal, in welcher Sprache. Selbst auf Deutsch! Tolle Ideen kamen mir auch keine mehr und so war wenig Raum für anderes als dem herkömmlichen Unterricht. Auch wurde meine Stresstoleranz immer geringer. Schon die kleinsten Dinge brachten mich auf die Palme. Diese Aspekte waren es insbesondere, die mir bewusst machten, dass sich etwas zu ändern hatte. 

30 Minuten am Tag für mehr Zufriedenheit

Bisher habe ich ein komplettes Umschalten noch nicht geschafft. Aber es wird besser, trotz einiger Rückschläge. Wenn man sich bewusst wird, dass schon 30 Minuten Bewegung am Tag helfen können, um den Körper in eine bessere Verfassung zu bringen, so kann dies bereits zu einer Umgestaltung des Lebens führen. Dies kann dadurch gelingen, dass man sich eine maximale Zeit für das Arbeiten setzt. So kann beispielsweise festgelegt werden, dass täglich nur bis 19 oder 20 Uhr gearbeitet und die restliche Zeit bis zum Schlafengehen nur für das eigene Wohl und die Zeit mit der Familie verwendet wird. Selbst dann, wenn dies nicht stetig gelingen mag, so kann es über die Zeit hinweg dennoch dem eigenen Wohlbefinden und dem Familienleben helfen. 

Um ehrlich zu sein, hat mich das Leben, dass sich ausschließlich um meinen Beruf drehte, immer unzufriedener gemacht, dabei wollte ich doch eigentlich nur einen guten Job machen. Sich um das eigene Wohlbefinden zu kümmern mag vielleicht egoistisch klingen, doch es ist nicht möglich, über die ganzen Jahre hinweg, während derer man als Lehrer*in arbeitet, nur für den Beruf zu leben.

Es muss nicht perfekt sein, sondern dem Zweck dienen.

Vermutlich waren dies schon Anzeichen von Burnout, die ich zeigte. Aus diesem Grund bin ich mir bewusst geworden, wie wichtig ein Gleichgewicht zwischen der Arbeit und einem privaten Ausgleich ist. Mitunter muss es dann auch mal reichen, wenn etwas nicht so perfekt ist, wie man es gerne hätte. Wenn die Schüler*innen das lernen, was man für die Stunde geplant hat und die Stundeninhalte auch verinnerlichen und anwenden können, dass ist das Ziel erreicht. Dabei ist nicht unbedingt wichtig, wieviel man noch rumbastelt. Hierzu empfehle ich auch die Lektüre meines Beitrags zum Thema concentration management

Es ist einfach wichtiger, dass man sich auch mal um sich selbst kümmert. Wir sind schließlich alle nur Menschen und benötigen alle auch mal Zeit für uns. Dabei können die eigenen Batterien wieder aufgeladen werden, sodass man wieder mit voller Energie den nächsten Schultag in Angriff nehmen kann und die Arbeit auch weiterhin Spaß macht.

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