Nicht alles ist gut.

Seien wir mal ehrlich. Nicht alle Lehrwerke sind ausschließlich gut gestaltet. Manche bieten Materialien, die einfach nicht zeitgemäß sind. Andere wiederum basieren auf Ideen, die für den eigenen Unterricht bzw. die eigene Klasse nicht angemessen sind. Zudem bieten einige Schulbücher kaum Sprechanlässe. 

Bücherstapel

Wenn man als Lehrperson während der Lektüre schon gähnen möchte, so kann man sich erst recht die Reaktion unserer Schüler*innen vorstellen. Gleichzeitig ist es auch nicht leicht, ein gutes Lehrwerk auszuwählen. Mitunter muss man damit leben, dass der Großteil eines Werks gut gestaltet ist und ein kleinerer Teil eben nicht. 

Beispiele aus dem Französisch- und dem Englischunterricht

Es gibt nunmal Lehrwerke oder Kapitel, die für den eigenen Unterricht (mitunter) weniger geeignet oder, ehrlich gesagt, allgemein fragwürdig sind. 

Ich kann mich diesbezüglich noch gut daran erinnern, dass es in einem Französischlehrwerk ein Kapitel über einen Zirkusjungen gab. (Leider habe ich den genauen Namen des Buches noch nicht wiedergefunden.) Daran ist grundlegend ja auch nichts auszusetzen. Problematisch war, dass dieser im Clownskostüm zur Schule kam. Laut meiner Französischdidaktikdozentin an der Universität wäre das darauffolgende Mobbing da doch schon vorprogrammiert. Dem stimme ich zu. Als würde irgendjemand auf die Idee kommen, am ersten Tag in einer neuen Schule in Zirkusmontur zu erscheinen. Schließlich sind die Menschen, die in einem Zirkus leben, auch nur normale Menschen und laufen nicht den ganzen Tag in ihren Kostümen herum. 

Derzeit habe ich mit einem Kapitel in meinem Englischbuch der neunten Klasse zu kämpfen. Dieses Kapitel handelt dem Namen nach von Indien. In Wirklichkeit ist es aber eher ein Kapitel, welches vom Essen in Indien handelt. Es gibt keinerlei Informationen über die Kolonialgeschichte und auch religiöse Faktoren wurden vollkommen außer Acht gelassen. Auf Nachfrage hin, hat sich jedoch herausgestellt, dass die Mehrheit meiner Schüler*innen gar nicht wusste, warum Indien in einem Englischbuch vorkommt. Wenn der Aspekt der Kolonialgeschichte aber völlig ignoriert wird, so wird ihnen dies wohl auch noch weiterhin ein Rätsel bleiben.

Die Problematik 

Haben die Lehrer*innen ein Lehrwerk für ein Schuljahr ausgewählt, so lässt sich daran nichts mehr ändern. Während eines Jahres ist dies zwangsläufig die Ausgangsbasis. Ist man als Lehrkraft mit der Wahl unzufrieden, so sollte man dennoch nicht grundsätzlich gar nicht mehr mit dem Lehrwerk arbeiten. Schließlich haben die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten das Schulbuch in der Regel bezahlt. Dementsprechend sollte es auch im eigenen Unterricht Verwendung finden. Sonst wird es schnell Beschwerden hageln. Diese Situation muss uns jedoch nicht vollkommen hilflos machen. 

Was tun? 

Ist man unzufrieden mit einem Lehrwerk oder zumindest mit Teilaspekten, so kann man hier Abhilfe schaffen. Dies kann geschehen, indem man sich auf die gut gestalteten Aspekte fokussiert und diese mit anderen Materialien unterfüttert oder auf andere Art und Weise dem eigenen Unterricht anpasst. Bereits in meinem Artikel „Was tun, wenn das Regelwerk nicht ausreicht?“ habe ich mich dazu geäußert, wie dies geschehen kann. Dabei muss man das Rad nicht neu erfinden. Das Internet quillt nur so vor hilfreichen Ideen über und auch in vielen anderen Lehrwerken gibt es interessante Aufgaben. 

Insgesamt empfiehlt es sich, das vorgeschlagene Kapitel und dazu noch das Schulcurriculum genauer anzuschauen. Es geht darum herauszufinden, welche Inhalte insgesamt in der jeweiligen Klassenstufe in dem Fach zu unterrichten sind. Beispielsweise die jeweilige zu behandelnde Grammatik und Wortfelder. Hat man diese Punkte genau herausgearbeitet, so kann von da ab etwas eigenes geschaffen werden. Vorausgesetzt, es beinhaltet die nicht verhandelbaren Aspekte. 

Teamwork 

Bezüglich des oben genannten Kapitels über Indien haben wir vier Lehrer*innen, die in der neunten Klasse Englisch lehren, uns zusammengesetzt und uns gemeinsam eine Änderung überlegt. Es wurde entschieden, den Großteil der Einheit durch Materialien über Geschichte, Religion und Kultur zu ersetzen. Wir behielten auch Aspekte aus dem Kapitel bei, die den Schülern*innen Außergewöhnliches zur Esskultur Indiens vermitteln. Alles in allem war es uns wichtig, mehr auf die Kenntnis des Landes zu setzen, anstatt sich lediglich auf die Ernährung zu konzentrieren. 

Dies zeigt, dass man besser nicht eigenmächtig entscheiden sollte, Dinge vollends über Bord zu werfen, solange man nicht die einzige Lehrkraft in dem Fach in der jeweiligen Klassenstufe ist. Stattdessen sollte sich idealerweise mit Kollegen*innen besprochen werden. So kann gemeinsam ein Ausweg gefunden werden. Respektiert man jedoch insgesamt die offiziellen Vorgaben und stellt man sicher, dass die eigenen Schüler*innen prinzipiell das selbe lernen, wie die Nachbarklassen auch, so kann einem eigentlich kein Vorwurf gemacht werden, wenn man nicht den Weg des Lehrbuchs folgt. Schließlich ist dieses nicht so gemeint, dass man nie von diesem abweichen dürfte.

Fazit

Abschließend lässt sich festhalten, dass wir nicht dazu gezwungen sind, ausschließlich dem vorgezeichneten Weg des Lehrwerks zu folgen. Dies gilt insbesondere dann, wenn wir mit einigen dargelegten Aspekten nicht zufrieden sind. Das Lehrwerk sollte auf den eigenen Unterricht und die eigene Klasse angewendet werden. Dabei sind nicht immer alle Aufgabenstellungen oder Inhalte geeignet, den jeweiligen Unterrichtsstoff in idealer Weise zu vermitteln. 

Oftmals trifft die Unzufriedenheit mit den jeweiligen Punkten auch nicht nur auf eine einzelne Lehrkraft zu. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, sich stetig mit den Kollegen*innen des eigenen Faches auszutauschen. So kann gemeinsam entschieden werden, wie am besten vorgegangen werden sollte. Gleichzeitig kann das Lehrwerk auch nicht völlig ignoriert werden, da nunmal in der Regel dafür bezahlt wurde. Es gilt somit, ein Gleichgewicht zu finden, welches sowohl die für die eigenen Schüler*innen geeigneten Inhalte als auch die offiziell geforderten Aspekte berücksichtigt.

Zusammenfassend zeigt sich also, dass die eigene Unzufriedenheit nicht zwangsläufig akzeptiert werden muss. Es gibt einen Ausweg und solange dieser die offiziellen Vorgaben einbezieht, kann gerne auch mal von der ursprünglichen Idee eines Lehrwerks abgewichen werden. 

Abbildungsverzeichnis: