„Selbstverständliche“ Wunder

Die österreichische Erzählerin, Novellistin und Aphoristikerin Marie Freifrau Ebner von Eschenbach (1830-1916) sagte einst: „Vom Arzt und vom Lehrer wird verlangt, daß er Wunder tue, und tut er sie – wundert sich niemand“. 

Das Leid einer Lehrkraft

Nach wie vor erweist sich diese Aussage als wahr. Und genau hierin zeigt sich das Problem einer Lehrkraft. Tut sie ihre Arbeit, wie es sich gehört, so äußert sich niemand hierzu. Nur selten, wenn überhaupt, erfährt sie ein Lob für die gute Arbeit. Läuft hingegen einmal etwas nicht genau so, wie es die Außenwelt erwartet, dann hingegen ist der Aufschrei groß. In der Regel hagelt es dann insbesondere von Seiten der Eltern erhebliche negative Kritik.

Insgesamt handelt es sich beim Lehrberuf um einen doch recht undankbaren Beruf. Zudem zeigt sich das Wirken einer Lehrkraft eher auf lange Sicht. Nach Verlassen der Schule erst machen sich viele Schüler*innen bewusst, wie sehr das Wirken einer Lehrkraft sie positiv beeinflusst und unterstützt hat. Aber auch auf Schüler*innen, die wir beispielsweise nach einem oder zwei Jahren nicht mehr unterrichten, trifft dies mitunter zu. In der Regel erfährt ein/e Lehrer*in wenig Dankbarkeit seitens der Schüler*innen, der Eltern und/under der Direktion. 

Als Mittel gegen Enttäuschung

Um hierauf nicht mit Enttäuschung zu reagieren, gilt es, sich immer wieder selbst zu motivieren. Das kann dadurch geschehen, dass wir uns auf die Reaktionen von Schüler*innen fokussieren, die uns nach dem Verlassen unserer Klasse oder der Schule wiedersehen. Als Beispiel möchte ich hier dieses Schuljahr nennen: Bereits seit Beginn ist eine Vielzahl meiner ehemaliger Schüler*innen extra zu mir gekommen, um mir zu sagen, dass sie mich/meinen Unterrichtsstil vermissen (manche sogar mehrmals) oder um sich zu erkundigen, wie es mir geht oder um mich lediglich zu grüßen. Eine davon hat sich extra für meine Arbeit im vergangenen Jahr in der Klasse bedankt, da sie nun, dank der vielen Vorbereitungsstunden für den Cambridge-Test, ein B2-Zertifikat besitzt.

Auch habe ich den Brief einer Schülerin aufgehoben, die ich in einer Schule in Hamburg unterrichtet habe. Diese schrieb Lehrkräften, die sie bis zu ihrem Abschluss wahrscheinlich nicht mehr unterrichten würden, seit einiger Zeit jeweils einen Brief. In meinem bedankte sie sich insbesondere für mein Engagement, um sie zu einer stärkeren mündlichen Beteiligung im Unterricht zu motivieren. Aber auch die Erinnerung an ein positives Feedback von Klassen kann einem helfen, über den wenigen Dank, den wir mitunter erhalten, hinwegzublicken. 

Das Essenziellste ist, dass wir uns selbst immer wieder bewusst machen, dass wir eine gute Arbeit verrichten. Selbst dann, wenn einige Schüler*innen unsere Lehrangebote nicht annehmen möchten und den Unterricht lieber stören, so ist es am wichtigsten, dass wir uns immer wieder vor Augen halten, dass wir zumindest genügend getan haben, um allen die Chance zu bieten, sich zu verbessern und etwas Neues zu lernen. 

Abschließend…

Zu guter Letzt lässt sich festhalten, dass wir uns nicht (zu sehr) persönlich angegriffen fühlen dürfen, wenn uns nicht oder nur wenig für unsere Arbeit und/oder unser Engagement gedankt wird. Oftmals ist es schon ein gutes Zeichen, wenn keinerlei negative Reaktion zurückkommt. Gleichzeitig gilt es, am Ball zu bleiben. Versuchen wir stetig, unseren Schülern*innen eine gute Lehrkraft zu sein und bieten allen Lernenden ausreichend Lernmöglichkeiten, so wird über kurz oder lang dennoch etwas zurückkommen. Manchmal wird es auch nicht wortwörtlich gesagt. Die Art und Weise aber wie eine Klasse unseren Klassenraum betritt, spricht oftmals Bände. Geschieht dies auf eine motivierte und fröhliche Art, so kann auch dies bereits Feedback genug sein. In unserem Beruf gilt es also grundsätzlich, sich auf die kleineren Aspekte zu konzentrieren, die uns widerspiegeln, wie die Schüler*innen uns gegenüber empfinden. Wie so oft im Leben, kommt es also auch im Lehrberuf auf die kleinen Dinge an.