Auf der Suche nach einem Ausweg

Kurz vor Beginn der Corona-bedingten Schließung meiner derzeitigen Schule war ich so völlig mit Klassenarbeiten und Klausuren zugedeckt, dass mir klar wurde, dass ich etwas ändern wollte. Es war die Zeit der Frühjahrsferien und erneut verbrachte ich meine Ferien fast ausschließlich mit der Korrektur von Klassenarbeiten/Klausuren und, wenn noch Zeit war, der Unterrichtsvorbereitung. Und mal wieder hatte ich kaum Zeit für mich und die so dringend notwendige Erholung. 

Zunächst erwachte in mir der Entschluss, weniger Zeit für Korrekturen benötigen zu wollen. Doch darüber hinaus reifte in mir auch die Idee, insgesamt etwas an meiner Arbeitsweise zu ändern, um mein Leben als Lehrerin zu verbessern und vor allem dem drohenden Burnout aus dem Weg zu gehen. 

Der Weg zu meiner „Lebensumstellung“ oder Struktur ist alles!

Ich nenne den Beginn meiner veränderten Arbeitsweise der Einfachheit halber meine „Lebensumstellung“. Im Rahmen dieser Lebensumstellung ging ich folgendermaßen vor: Als erstes setzte ich mir das Ziel, jegliche Korrekturarbeit zu bewältigen. (Ich werde mich dem Thema Korrektur in einem späteren Post widmen.) Das war zwar anstrengend, aber wie heißt es noch so schön: „Ohne Fleiß, kein Preis“. Anschließend daran krempelte ich meine Arbeitsweise bezüglich der Vorbereitung jeglichen Materials etc. um. Wichtig hierfür war und ist mir, eine Struktur zu schaffen. Grund hierfür war, dass ich mir oftmals doch recht planlos vorkam. Klar wusste ich, was ich zu erledigen hatte. Jedoch stresste mich oftmals schon der Gedanke an die Arbeit, da es häufig doch recht schwer war zu entscheiden, wo ich denn am besten anfangen sollte. Und genau dieser unnötige Stress hat mir doch oft ungewollt und unbemerkt Zeit geraubt.

3 zentrale Methoden

Insbesondere haben mir drei Methoden besonders geholfen, meine Arbeitsweise besser zu strukturieren: mein Lehrerkalender, eine To do-Liste und die Entscheidung über 3 wichtige Dinge.

1. Der (Lehrer)Kalender

Mein Lehrerkalender spielt bei meiner umgestellten Arbeitsweise eine zentrale Rolle. Zwar besaß ich diesen auch schon zuvor, jedoch versuchte ich ihn nun auf andere Art zu verwenden. Bereits am Vortag trage ich in diesen bereits ein, was ich am nachfolgenden Tag Wichtiges zu erledigen habe. Ich spreche hierbei nicht nur von irgendwelchen Erledigungen, sondern solchen Dingen, die mich wirklich in meiner Vorbereitung voranbringen können. 

Ich arbeite am liebsten mit einem Kalender, der die komplette Woche auf zwei nebeneinanderstehenden Seiten darstellt, da mir dies einen besseren Überblick verleiht. Zudem bevorzuge ich einen Kalender im DIN A5-Format, da er handlicher ist und eigentlich in jede normale Handtasche passt. Der Vorteil von Kalendern im DIN A4-Format ist natürlich, das mehr Platz besteht. Bisher habe ich aber keine Probleme gehabt, mit dem kleineren Format zu arbeiten. Auch, wenn immer mehr Personen mit einem elektronischen Kalender arbeiten, so bevorzuge ich nach wie vor die manuelle Version, in der ich direkt kritzeln kann und unabhängig von Strom und eventuellen technischen Problemen bin.

2. Die To do-Liste

Vielfach habe ich inzwischen gelesen, dass diese Liste mehr und mehr als unnütz verteufelt wird. Dem kann ich nicht zustimmen, solange man weiß, wie man diese umsetzen kann. Es geht nämlich nicht darum, eine möglichst lange Liste mit unendlich vielen kleinen Aspekten zu haben. Viel wichtiger ist es meiner Meinung nach, die Dinge direkt in den Kalender mit einzuplanen. Wenn es möglich ist, diese bereits einem spezifischen Tag zuzuweisen, so sollte dies auch getan werden. 

Sollten bestimmte Tätigkeiten zwar im Verlauf der Woche erfolgen, es aber nicht ganz klar ist, wann diese wirklich in die Tat umgesetzt werden können, so schreibe ich diese inzwischen auf einen Post-it. Es bietet sich hier an, mit einem der kleinsten Formate an Post-it Haftnotizen zu arbeiten, da diese dann nicht den ganzen Raum einnehmen und möglicherweise wichtige Tätigkeiten verdecken. Jedoch bieten Post-it-Streifen in der Regel nur Platz für ein Wort oder wenig mehr an. Mit Post-it-Streifen arbeite ich eher, um die Listen meiner verschiedenen Klassen auseinanderzuhalten. Auf den Seiten meines Kalenders arbeite ich, wenn möglich, mit Haftnotizen beispielsweise im Format 76 x 76 mm; andernfalls schneide ich mir einen Post-it so zu, dass er nichts verdeckt.

Der Brain dump

Um nicht irgendwelche Punkte zu vergessen, habe ich zunächst einen sogenannten Brain dump (wortwörtlich übersetzt: Entleerung des Gehirns) vorgenommen. Dabei habe ich jegliche Erledigungen, die mir eben in den Sinn kamen, auf einem Blatt Papier niedergeschrieben. (Inzwischen notiere ich diese in einem kleinen Heft.) Dabei ist es nicht wichtig zu unterscheiden, ob es sich um schulische oder private Tätigkeiten handelt. Dieser Schritt kommt später.

Sobald alles notiert ist, fühlt man sich erfahrungsgemäß erstmal schlapp. Zumindest geht es mir so, sobald ich einen Brain dump vorgenommen habe. Es geht hierbei um eine Reduzierung all dessen, was uns im Kopf herumgeistert und oftmals unsere Aufmerksamkeit gänzlich in Anspruch nimmt und abends nicht einschlafen und/oder nachts nicht schlafen lässt. Dabei habe ich gelesen – und dem stimme ich gänzlich zu: „Your brain is great for having ideas, not for storing them.” (David Allen). Unser Gehirn ist also gut dafür, Ideen zu haben, anstatt diese zu speichern. 

Im Anschluss an den Brain dump ordne ich die genannten Dinge nun in Listen ein: zum Beispiel Privates, zu erstellende Unterrichtsmaterialien und weiteres (inzwischen erstelle ich für jede einzelne Klasse eine eigene Liste mit Dingen, die für diese zu erledigen und erstellen sind), zu erledigende Kopien und, und, und… Diese verschiedenen Listen behandele ich dann individuell und schaue, dass einige Aspekte jeglicher Liste im Verlauf der Woche Verwendung finden. Selbstverständlich kann in der Regel nicht alles innerhalb von einer Woche Berücksichtigung finden, aber das ist auch nicht das Ziel. Es geht vielmehr darum, einen Überblick zu finden. Ist es erstmal aufgeschrieben, so kann dies einen selbst nicht mehr stressen, da es ja nun nicht mehr vergessen werden kann. Es steht ja auf einer Liste. 

3. Die 3 wichtigsten Dinge

Im Verlauf der vergangenen Sommerferien habe ich verschiedene Methoden ausprobiert, um zu sehen, welche Arbeitsweise mir am besten liegt. Im Verlauf meiner Internetrecherche bin ich auf eine Vielzahl von Ideen von Menschen aus allen möglichen Arbeitsbereichen gestoßen, wobei ich hierzu bisher nicht wirklich was von Lehrkräften entdeckt habe. 

Was (bisher) nicht für mich funktioniert hat:

Dabei wurde speziell empfohlen, in Zeitblöcken von z.B. jeweils 25 oder 30 Minuten zu arbeiten und dann das Thema zu wechseln, um einer eventuell aufkeimenden Langeweile entgegenzuwirken. (Hierzu werde ich mich in einem späteren Post näher widmen.). In den Ferien hat dies ganz gut funktioniert, aber schon da hat mich gestört, dass ich Dinge mittendrin aufhören sollte.

Dann habe ich versucht, 3 wichtige Dinge pro Tag in Angriff zu nehmen und jeweils eine Stunde an einer der drei Dinge gearbeitet (mit Pausen und später erfolgte dann nochmal der gleiche Ablauf). Manchmal bin ich jeweils nach 30 Minuten zwischen den 3 Dingen hin und her gesprungen. Aber auch das stellte mich nicht zufrieden. Insbesondere auch deshalb, weil ich eben doch jeweils mehr Zeit brauche, um Dinge zu erledigen. Außerdem habe ich mal gehört, dass das Gehirn ca. 20 Minuten benötigt, um sich vollständig auf eine Sache zu konzentrieren. Ob das wirklich stimmt, kann ich nicht sagen. Einige Minuten dauert es aber schon. Und wenn man dann nach einigen Minuten schon wieder umschalten soll, so wirkt das doch eher kontraproduktiv.

Was besser funktioniert: 

Die zuvor genannte Auswahl von 3 wichtigen Aufgaben pro Tag war das einzige, was sich für mich wirklich als effektiv erwiesen hat – auch im Verlauf eines Unterrichtstags. Genau dies war für mich ausschlaggebend: Im Verlauf eines Tags, der zwischen Unterrichtsstunden und kurzen Pausen hin und her pendelt, habe ich nicht wirklich die Möglichkeit, meine Zeit bereits im Voraus in geplante Blöcke zu unterteilen. Das liegt eher daran, wie der einzelne Tag strukturiert ist und auch daran, ob nicht doch noch wieder spontan irgendeine weitere wichtige Aktivität den Tagesrhythmus unterbricht. Und welche(r) Lehrer(in) kennt das nicht? Da wäre es meiner Meinung nach kontraproduktiv, wenn der Tag perfekt geplant wird und der Plan dann doch fast jedes Mal nicht eingehalten werden kann. 

Kästchen am Vortag

Viel besser ist es für mich, wenn ich am Vortag bereits 3 Dinge von der Liste / den Listen des Brain dumps in meinen Kalender einplane, die ich am folgenden Tag unbedingt erledigen sollte, um wirklich in all den Dingen voranzukommen, die zu erledigen sind. Dabei ist es nicht wichtig, wann dies im Verlauf des Tages geschieht, aber wichtig ist doch, dass dies getan wird. Wenn man nicht sicher ist, ob es möglich sein wird, so könnte dies auch auf einem Post-it notiert werden und klappt es dann, so sollte man dies in den Kalender eintragen und abhaken. 

Ein Beispielbild für mein System der drei Aufgaben.

Inzwischen zeichne ich vor die 3 Aufgaben jeweils ein kleines Kästchen. Habe ich die Aufgabe erledigt, male ich das Kästchen pink aus, habe ich dies zum Teil geschafft, schraffiere ich es pink und habe ich es gar nicht geschafft, markiere ich es gelb und zeichne bereits den Beginn eines gelben Pfeils zum darauffolgenden Tag. (Sollte die Aufgabe dort erledigt werden, so wird der Pfeil vollendet, sonst geht die Linie weiter zum nächsten Tag – solange, bis die Aufgabe erledigt ist.) Die Idee mit dem Pfeil kam mir, um zu verhindern, dass mir unerledigte Aufgaben entschwinden.

Ein kleiner Zusatz: Inzwischen zeichne ich auch einen pinken Pfeil zum darauffolgenden Tag, für Aufgaben, die nur zum Teil geschafft wurden sind, um auch diese nicht aus dem Auge zu verlieren. Auch verbleibe ich inzwischen nicht immer nur bei drei Aufgaben pro Tag, wenn es noch einige kleinere Aufgaben gibt, die zusätzlich zu erledigen sind.

Durch diese Methode ist bereits für den nachfolgenden Tag geplant, dass diese Aufgabe auch dort nicht unbeachtet bleibt, selbst dann nicht, wenn sie nicht erledigt wird. Seitdem ich dieses System für mich entwickelt habe, habe ich wirklich ein Gefühl, gut voranzukommen und wirklich etwas zu schaffen. Gleichzeitig dämpft dies meine Panik, im Verzug zu sein, unheimlich ein und es geht mir insgesamt besser. (Sollte Interesse daran bestehen zu erfahren, wie meine Ideen in einem elektronischen Kalender umgesetzt werden könnten, so würde ich mich über einen Kommentar freuen.) 

Fazit

Auch, wenn diese Ideen für manch eine(n) vielleicht nicht unbedingt originell erscheinen mögen, so hat mich die Kombination dieser drei Methoden enorm vorangebracht und gibt mir inzwischen ein gewisses Gefühl von Übersicht. Zuvor hatte ich oftmals ein Gefühl von Planlosigkeit und war oftmals enorm gestresst, da ich permanent in Panik war, etwas zu vergessen beziehungsweise nicht zu schaffen. Durch das Sammeln von zu erledigenden Dingen und deren feste Einplanung in meinen Kalender mit dem Hauptaugenmerk auf 3 zu erledigenden Dingen pro Tag habe ich den Überblick über meinen Schulalltag zurückgewonnen. Aus diesem Grund hoffe ich, dass auch Ihnen, sehr geehrte(r) Leser(in) zumindest ein Teil dieser Ideen zu mehr Struktur verhelfen kann.

Samstag, der 17. Oktober 2020