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„Der Wert einer Idee liegt in ihrer Umsetzung.“ Thomas Edison (1847-1931), Elektrotechniker und Erfinder

Thomas Edison hat es auf den Punkt gebracht: Eine Idee allein bringt nichts. Sie muss sich auch sinnvoll in die Tat umsetzen lassen. Genau das hat sich vor Kurzem einmal mehr in unserer Schule bewahrheitet. Dort gab es nämlich zu Beginn des Schuljahres 2023/24 eine Neuerung, die in der Theorie recht gut klang, sich aber dann in der Realität als herbe Enttäuschung erwiesen hat.

Ein vertiefendes Fremdsprachenangebot

Im kommenden Schuljahr soll es eine wichtige Änderung an unserer Schule geben: die Einführung von Europaklassen. Mit dieser Bezeichnung sind Klassen gemeint, in denen die Lernenden intensiver Englisch lernen. Dies soll dadurch geschehen, indem neben dem regulären Unterricht einige Fächer, wie zum Beispiel Geschichte und Geographie, auf Englisch erteilt werden. Hierdurch soll aktiven und motivierten Schülern*innen, die bereits über ein gutes Englischniveau verfügen, die Möglichkeit geboten werden, zu einer fortgeschrittenen Sprachbeherrschung zu gelangen.

Testdurchlauf

Als Vorbereitung auf dieses vertiefende Fremdsprachenangebot wurde in diesem Jahr eine Art Testdurchlauf eingeführt. Interessierte Schüler*innen von der Cinquième (sechste Klasse) bis zur Troisième (neunte Klasse)  konnten sich in eine Art Zusatzangebot eintragen, bei dem sie neben dem eigentlichen Unterricht zwei weitere Unterrichtsstunden haben würden. Eine weitere Englischstunde, die aber nicht am Programm des eigentlichen Englischunterrichts orientiert ist, und eine Stunde in einem nicht-fremdsprachlichen Fach (zum Beispiel Biologie oder Mathe), die aber ebenfalls auf Englisch erteilt würde. Das Ganze lässt sich mit dem CLIL-Prinzip (Unterricht in einem integrierten Fach in einer Fremdsprache) vergleichen.

Ich war mir anfangs, ehrlich gesagt, nicht so wirklich sicher, was ich davon halten sollte. Das lag insbesondere daran, dass wir bis auf diese Information – zwei zusätzliche Stunden auf Englisch – keinerlei Auskunft darüber erhalten hatten, wie das Ganze ablaufen sollte. Alles war sehr vage. Aber ich ließ mich überzeugen, auch Teil dieses Projekts zu werden. Es würde schon werden, meinten meine Kollegen*innen. Die Schüler*innen, die sich in das Programm eintragen würden, würden ja auch in kleine Gruppen von um die 15 Personen eingeteilt werden. Das würde bestimmt gut werden. Ich war zwar nach wie vor skeptisch, aber ich ließ das neue Schuljahr mit dieser Änderung auf mich zukommen.

Es hätte so schön sein können…

Dann rollte das neue Schuljahr heran und aus den kleinen Gruppen wurden plötzlich gesamte Klassen von 25 bis 27 Schülern*innen. Ein Teil davon wollte auch gar nicht da sein. Und damit ging das ganze Drama los. Seitdem hat sich nichts geändert. Die Idee, mit den Schülern*innen mal auf eine ganz andere Weise zu arbeiten und denjenigen, die im herkömmlichen Unterricht nur wenig gefordert werden und/oder die wirklich mehr lernen möchten, endlich mehr Möglichkeiten zu bieten – all das löste sich schon innerhalb der ersten Wochen in Luft auf.

Die üblichen Störenfriede machten die vorausgesehene angenehme Arbeitsatmosphäre im Nullkommanichts zunichte. Da dieses Zusatzangebot noch dazu unbenotet ist und bis auf einen Zeugniskommentar auch sonst keinerlei Konsequenz für das Verhalten erfolgt, drehen diese Schüler*innen zum Teil vollkommen frei. Uns Lehrkräften sind da relativ die Hände gebunden.

Mangelnde Unterstützung

Das Problem betrifft auch so ziemlich alle Lehrkräfte, die in diesem Bereich unterrichten. Die Unterstützung ist bisher auch eher mager. Dass wir Kollegen*innen uns untereinander helfen, hilft natürlich moralischein wenig, aber im Unterricht stehen wir dann ja doch wieder allein vor der Klasse. Ich habe das „Glück“, gleich zwei dieser Klassen unterrichten zu „dürfen“. Bei einer der beiden Klassen kommt es mir immer wieder wie ein Kampf vor. Und es ist auch egal, was ich versuche: Eine Handvoll Schüler*innen stört immer wieder den Unterricht und verweigert jegliche Arbeit.

Zuletzt wurde uns angeboten, dass die stellvertretende Schulleiterin zum einen in den Unterricht einiger besonders verhaltensauffälliger Klassen kommen und den Schüler*innen noch einmal die Idee hinter dem Konzept bewusst machen könnte. Noch dazu besteht inzwischen die Möglichkeit, dass die Stellvertreterin mit den Eltern der größten Störenfriede sprechen könnte. Das hat bisher aber noch keine Früchte getragen. Und das trägt natürlich in keinerlei Weise zu einer Motivationssteigerung bei.

Derzeitiger Stand

Wie Sie sich denken können, gehen meine Kollegen*innen und ich derzeit recht unmotiviert in den besagten Unterricht. Es scheint nur einige wenige Klassen zu geben, in denen es tatsächlich gar nicht mal so schlecht läuft. Im Gespräch mit mehreren Kollegen*innen erfuhr ich, dass sie sich jedes Mal so fühlen, als würden sie als Lehrkraft nichts taugen. Und ehrlich gesagt geht es mir da nicht viel anders. Es ist demotivierend. Noch dazu ist es enttäuschend, wenn jede noch so tolle und kreative Idee auf so viel Desinteresse stößt. Da hat man eigentlich keinerlei Lust mehr, sich überhaupt noch an die Unterrichtsvorbereitung zu setzen.

Das Schlimme ist, dass das Ganze ja noch bis zum Ende des Schuljahres so weiter laufen soll. Wenn sich da nicht bald etwas ändert, weiß ich nicht, wie sich das weiterentwickeln wird. Dass mein einziger Lichtblick ist, dass ich meine beiden Klassen in der Woche vor den nächsten Ferien Ende des Monats nicht sehen werde, weil sie da ihr Praktikum absolvieren werden, zeigt deutlich, wie es derzeit in mir aussieht. Und das macht mich noch unzufriedener. Dies ist wohl einer der wenigen Artikel, den ich mal nicht mit etwas Positivem abschließen kann.

Um nun auf das eingangs erwähnte Zitat zurückzukommen: Die Idee selbst, einen Kurs einzuführen, bei dem interessierte Schüler*innen endlich mal mehr in der Fremdsprache arbeiten könnten und das ohne Notendruck, war gut. Die Umsetzung hingegen war bisher jedoch in vielen Klassen wenig bis gar nicht erfolgreich. Der Nutzen ist also in vielerlei Hinsicht nicht gegeben. Vor allem für die wirklich motivierten Lernenden tut es mir leid, da sie, wie im herkömmlichen Unterricht, wieder einmal zu kurz kommen. Mein Fazit derzeit: Einfach nur enttäuschend. Schade.

Abschließend…

Ich möchte meinen Artikel diesmal mit einem Bild abschließen. Die hier gezeigten Personen spiegeln nämlich nur zu deutlich meine verschiedenen Gemütszustände wider. Ich weiß nicht mehr weiter. Immer wieder schwanke ich von Verzweiflung zu Momenten des Nachdenkens zu Hoffnung zurück zur Verzweiflung. Sehen Sie selbst:

Abbildung 1: „Frustration pur“

Abbildungsverzeichnis:

Bevor Sie gehen...

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