Korrekturen über Korrekturen

So ziemlich jede Lehrkraft kennt das Problem mit Bergen an Korrekturen, die sich vor einem auftürmen. Dabei erweist sich die schnelle Bewältigung dieser Stapel oftmals als ein Ding der Unmöglichkeit. Nur allzu oft liegt dies daran, dass man selbstverständlich nicht nur gemäß dem Motto Pi mal Daumen korrigieren sollte. Stattdessen sollte die Benotung gerechtfertigt sein. Das Stichwort hierbei ist „gerecht“. Die Schüler*innen sollten begreifen können, warum sie für ihre Leistung die jeweilige Note erhalten haben.

Zeit…

Korrekturstapel

Mein größtes Problem hierbei ist zumeist, mich direkt auf eine Note festzulegen. Aus diesem Grund begegne ich immer wieder der Problematik, dass ich ewig an einem einzelnen Exemplar festhänge und es nicht schaffe, mich für eine Note zu entscheiden. Schließlich ist die Benotung in der Regel nicht so einfach wie beispielsweise bei einem Multiple Choice Test, wo es nur richtig oder falsch gibt. 

Insbesondere bei Texten gibt es zumeist nicht nur eine Lösung. Dies gilt speziell für Fremdsprachen. Neben dem Inhalt liegt es zudem in der Natur der Sache, dass es in den Fremdsprachen auch um die Bewertung der Verwendung der jeweiligen Sprache – das Vokabular als auch die Grammatik – geht. All die genannten Faktoren spielen in der Benotung von Klassenarbeiten und Klausuren eine Rolle. Und genau hierin liegt das größte Problem, denn all diese Aspekte in der Benotung zu berücksichtigen kostet erheblich Zeit. Mitunter wirkt es wirklich so, als würden die Minuten während der Korrektur ungeheuer langsam verstreichen und nach einer Stunde hat man scheinbar gar nichts geschafft. Um der schnelleren Notenfindung etwas nachzuhelfen, habe ich kürzlich ein simples aber dennoch recht effektives Hilfsmittel für mich wiederentdeckt – den Bleistift.

Eine (leichte) Abkehr von der einmaligen Korrektur

Der Bleistift

Mir wurde zu Beginn meiner Karriere als Lehrkraft gesagt, dass man besser nicht zweimal an ein und derselben Klassenarbeit bzw. Klausur arbeiten sollte. Schließlich müsse man in diesem Fall das jeweilige Exemplar zweimal lesen. Das verlängere die Korrekturzeit nur unnötig. Grundlegend stimme ich dem zu. Jedoch lohnt es sich, hiervon mitunter abzuweichen. Insbesondere bei schwierigen Fällen empfehle ich dies sehr. 

Dies tue ich, indem ich die Notengebung zunächst mit Bleistift schreibe. Verwende ich beispielsweise ein Raster in welches die Benotung auf Grundlage mehrerer Kategorien geschieht, so kreuze ich jeweils an, was ich im Anschluss an das erste Lesen als richtig empfinde. Bin ich mir meiner Benotung direkt sicher, so nehme ich diese direkt mit einem farbigen Stift vor (in meinem Fall ist das rot). Bemerke ich hingegen meinerseits eine gewisse Unsicherheit bei der Bepunktung in einer oder mehrerer Kategorien, so schreibe ich die vorübergehende Benotung zunächst mit Bleistift. Dies ermöglicht es mir, später noch einmal zum jeweiligen Exemplar zurückzukehren und meine Benotung noch einmal zu überprüfen.

Auf diese Weise verhindere ich, an einem einzelnen Exemplar zu lange festzuhängen und mit der weiteren Korrektur nicht voranzuschreiten. Stattdessen bitte ich mir auf diese Weise Bedenkzeit aus. Meiner Meinung nach ist es nämlich nicht angebracht, Schülern*innen ihre Klassenarbeit / Klausur mit einer Note zurückzugeben, derer man sich selbst nicht sicher ist. Um ihnen im Falle einer Nachfrage die Benotung überzeugend darlegen zu können, ist es wichtig, dass man sich als Lehrkraft wirklich sicher ist (oder zumindest so sicher, dass man diese Note guten Gewissens für die jeweilige Leistung verteilen kann).

Eine vorteilhafte Vorgehensweise – mit Einschüben

Wie so oft, ist auch die genannte Vorgehensweise, bei welcher zunächst mit einem Bleistift benotet wird, nicht immer sinnvoll. Denn, wie zuvor gesagt, geschieht hierdurch quasi eine doppelte Bewertung. Das verlängert selbstverständlich die für die Benotung notwendige Zeit. Gerade bei der Bewertung von Abiturklausuren ist die Zeit bereits sehr knapp bemessen. Hier nun mehrfach eine doppelte oder dreifache Betrachtung verschiedener Exemplare vorzunehmen, zieht die benötigte Zeit natürlich in die Länge. Zeit, die man in der Regel nicht zur Verfügung stehen hat.

Handelt es sich allerdings um lediglich ein oder maximal zwei Exemplare, bei denen eine Bewertung tatsächlich nicht so einfach ist, so bietet es sich auch hier an, zunächst eine vorläufige Bewertung (mit Bleistift) vorzunehmen, um diese dann später – beispielsweise am Folgetag – noch einmal anzuschauen. Hierdurch wird auch in dieser Situation der Druck genommen, sofort eine Endnote zu erstellen. 

Abschließend…

Zum Abschluss lässt sich festhalten, dass die Benotung von Klassenarbeiten und speziell Klausuren mitunter mit einer Art Druck einhergeht. Dem, eine klar nachvollziehbare und faire Benotung festzulegen. Diese Aufgabe ist nicht immer leicht. Im Anschluss an die Korrektur einer Klassenarbeit und speziell einer Klausur ist die folgerichtige Note oftmals relativ leicht zu ermitteln. Unglücklicherweise gibt es jedoch auch Problemfälle, bei denen man beispielsweise zwischen zwei Noten schwankt oder ähnlichem. 

Anstatt sich in deren Benotung festzubeißen und dadurch zu riskieren, für die anderen Exemplare der selben Klassenarbeit oder Klausur nicht mehr ausreichend Zeit zur Verfügung stehen zu haben, kann ich somit empfehlen, zunächst eine vorläufige Note mit dem Bleistift zu notieren und diese dann später erst endgültig festzulegen. So wird nicht unnötig Papier verbraucht, wenn man bereits endgültig ausgefüllte Bewertungstabellen noch einmal neu erstellt, und man hat Zeit zum Nachdenken, während man sich den anderen zu korrigierenden Exemplaren widmet. Wir haben schon genug Druck in unserem Arbeitsalltag auszuhalten. Diesen auch noch durch die Notengebung zu verstärken, können wir einfach nicht gebrauchen. Aus diesem Grund hoffe ich, Ihnen mit diesem einfachen Trick weitergeholfen zu haben. 

Abbildungsverzeichnis