Am Ende eines Schulhalbjahres hat mit Sicherheit jede*n schon einmal eine leichte Panik gepackt, da mündliche Noten zu geben waren. Insbesondere zu Beginn des Lehrberufs strömen so viele Dinge auf einmal auf einen ein. Da weiß man gar nicht, wo man zuerst beginnen soll. Im Handumdrehen gilt es dann bereits, die mündlichen Noten zu vergeben. Schnell wird hier dann nach Gefühl benotet.

Vorwiegend akzeptieren die Schüler*innen die genannten Noten dann auch während der Notenbesprechung. Sobald es jedoch jemand von den Lernenden genauer wissen und eine Begründung haben möchte, gerät man bei einer derartigen Benotungsart schnell ins Schwimmen. Schließlich hat man kaum eine Grundlage, auf derer die gewählten Noten begründet werden könnten, da man eher so pi mal Daumen benotet hat. Schließlich ist in den Fremdsprachen nunmal eine mündliche Note zu erteilen. 

Im Folgenden möchte ich über mein derzeitiges System berichten, welches mir hilft, mündliche Noten zu geben. Dabei werde ich zunächst die Beginne darstellen, um dann deren Entwicklung bis zum heutigen Tage genauer darzustellen.

Zu Beginn…

Auch in der Elfenbeinküste, wo ich derzeit unterrichte, wurden letztes Jahr zeitweilig die Schulen geschlossen, um die Ausbreitung des Coronaviruses zu mindern. Glücklicherweise wurden an unserer Schule schon zuvor reichlich Maßnahmen getroffen, sodass wir direkt online weitermachen konnten. Mein Weg, um zu protokollieren, wie die Schüler*innen während Onlinekonferenzen mitmachten, führte dabei über eine Art Strichliste. Während der Onlinekonferenzen mit meinen jeweiligen Klassen strich ich dabei jeweils an, wie oft ein*e jede*r Schüler*in etwas zum Unterricht beigetragen hat. Dabei machte ich keinen Unterschied, ob etwas freiwillig gesagt wurde oder ob die Auswahl der/des jeweiligen Schülers*in durch mich erfolgte. Seit Beginn des derzeitigen Schuljahrs habe ich auch begonnen, die Strichlisten im Präsenzunterricht zu verwenden. 

Meine derzeitige Methode

Derzeit teste ich die nach folgende Methode, um nicht mehr völlig aus dem Blauen heraus Noten auszuwählen. Anstatt einmal die Woche oder einmal im Monat Überlegungen über die mündliche Beteiligung der Schüler*innen anzustellen, tue ich dies nach jeder gehaltenen Stunde. Am Ende der jeweiligen Stunde notiere ich kurz auf meiner Klassenliste, wie oft und wie gut jede*r Schüler*in mitgearbeitet hat. Dies geschieht anhand kleiner Zeichen. Hierbei bietet es sich beispielsweise an, wie bereits zuvor beschrieben, bezüglich der Quantität mit Strichen zu arbeiten. Es kann jedoch auch mit Zeichen wie ++, +, o, – , – – gearbeitet werden. Hierbei sind die Quantität und die Qualität bereits kombiniert.

Wie gesagt, verwende ich Striche für die Quantität. Zusätzlich kombiniere ich die Methode der Strichliste mit kleinen Zusatzzeichen. Ein Ausrufezeichen steht dabei beispielsweise für eine besonders zu betonende Leistung in der Stunde. Dies gilt sowohl auf quantitativer als auch auf qualitativer Ebene. Selbstverständlich gilt es hierbei, individuell zu schauen. Zeigt beispielsweise eine sprachlich schwache Person, die generell keinerlei Partizipation aufweist, nun in einer Stunde ein besonders hervorzuhebendes Engagement, so notiere ich auch hier ein Ausrufezeichen, selbst wenn die Qualität vllt. nicht besonders stark war. Notiere ich (einen) Buchstaben, so stellt dies ein Fehlverhalten dar. Darunter ist zu verstehen, dass beispielsweise eine Person den Unterricht stört. Ist dies der Fall, so notiere ich mir zu der jeweiligen Stunde beispielsweise ein kleines „st“. Rückblickend kann ich so jeweils feststellen, wie oft es dazu gekommen ist. 

Eigeninitiative oder stummes (Ab)Warten

Neuerdings versuche ich auch, zwischen der Art der Beteiligung zu unterscheiden. Darunter ist zu verstehen, dass ich schaue, ob die Partizipation stets von Schüler*innenseiten kommt oder ob die jeweiligen Lernenden stets darauf warten, ohne Meldung drangenommen zu werden. Mitunter ist letzteres aber auch mit dem stummen Abwarten und Hoffen gleichzusetzen, nicht ausgewählt zu werden. Zusätzlich gilt dann zu schauen, ob bei einer Auswahl durch die Lehrkraft eine richtige Antwort gegeben oder diese verweigert wurde. Um unter diesen verschiedenen Arten von Zeichen zu differenzieren, notiere ich einen Strich für die vom/von der Lernenden ausgehende Beteiligung, einen Punkt, wenn ich die Person ausgewählt habe und sollte sich die Antwort als falsch erweisen oder sollte der/die Schüler*in die Antwort verweigern, so setze ich den Punkt in Klammern. 

Ein Mittel gegen „Verhandlungsversuche“

Das dauert in der Regel nicht mehr als eine Minute am Ende der jeweiligen Stunde und ist somit stetig machbar. Auf dieser Grundlage kann in späteren Notenbesprechungen deutlich gemacht werden, wie sich das Verhalten und die mündliche Beteiligung über das Halbjahr hinweg entwickelt haben und was somit zu der finalen Entscheidung für die jeweilige Note geführt hat. Damit lassen sich recht einfach die üblichen „Verhandlungsversuche“ seitens der Schüler*innen im Keim ersticken, die allzu oft während Notenbesprechungen unternommen werden. Anstatt den letzten Eindruck zählen zu lassen, kann die Beteiligung recht detailliert über das (Halb-)Jahr hinweg analysiert und dargestellt werden. Möchten Schüler*innen zudem bereits vor der eigentlichen Notenbesprechung über ihren Stand zu jenem Zeitpunkt informiert werden, so geht dies ebenfalls recht schnell, da ein schneller Blick auf die Klassenliste bereits Aufschluss über Positives und Negatives gibt.

Das Ganze in Kurzform:

Im Folgenden möchte ich die Bedeutung einiger Zeichen und ein Beispiel für drei Stundenbeteiligungen mit zusätzlicher Erläuterung darstellen:

„Das ist bei meinem Arbeitspensum doch gar nicht machbar…“ 

Sie meinen vielleicht, dass sie nach einer Unterrichtsstunde gar keine Zeit haben, um sich Überlegungen zum Unterrichtsverhalten zu machen. Hierfür gibt es Abhilfe. Während einer üblichen Unterrichtsstunde gibt es auch Momente der Stillarbeit oder der Interaktion zwischen den Schüler*innen (Partner- oder Gruppenarbeit). Das kann schon dann sein, wenn die Klasse die Ergebnisse einer Plenumsarbeit von der Tafel abschreibt. 

Diese kurzen Momente können bereits dazu genutzt werden, um sich bereits im Verlauf der Stunde, kurz für jede*n Einzelne*n zu notieren, wie oft beigetragen wurde und evtl. auch schon mit einem Kürzel schon dann einen besonders tollen Beitrag anzeigen. Natürlich benötigen die Lernenden auch in derartigen Phasen oft Unterstützung. Dennoch gibt es aber die Möglichkeit, sich kurz Notizen zu machen. Zu betonen ist natürlich, dass es wichtig ist, recht bald die Namen der Schüler*innen zu lernen, da man dadurch bedeutend schneller wird und nicht erst lange überlegen muss, wer denn nun gesprochen hat.

Abschließend… 

Es lässt sich festhalten, dass dieses System der Bewertung der mündlichen Beteiligung und des generellen Verhaltens vielleicht zeitaufwendig erscheinen mag, da ich mir für jede Stunde Notizen mache. Es bedeutet insgesamt jedoch eine deutliche Arbeitserleichterung. Zu Beginn benötigt es selbstverständlich eine gewisse Übung. Es erweist sich dann aber als eine große Hilfe, da man nicht erst in der letzten Minute über mündliche Noten nachdenken braucht. Die hat man ja schon genügend über das ganze Halbjahr hinweg gesammelt. Über die Zeit hinweg, wird man immer schneller und wer dies zu Beginn vllt. als Belastung gesehen hat, wird diese Denkweise schon bald ablegen. Gen Ende eines Schuljahres/Schulhalbjahres stehen oft noch genügend Benotungen an, die in letzter Minute zu erledigen sind. Da ist es doch eine bedeutende Erleichterung, wenn man sich zumindest bezüglich der Bewertung der mündlichen Leistung keine Gedanken mehr machen muss.