„Bitte beschreibt das folgende Bild.“ Was sich als äußerst simpel anhören mag und für manche Schüler*innen mitunter vielleicht als langweilig gesehen wird, ist dennoch ein ausgesprochen wichtiger Aspekt einer jeden Unterrichtsstunde. Es handelt sich hierbei um den Stundenbeginn. Man könnte diesen Moment sogar fast schon als den essentiellsten Moment des Unterrichts bezeichnen, denn so wie eine Unterrichtsstunde beginnt, so verläuft diese oftmals auch.

Im Folgenden möchte ich näher auf die verschiedenen Typen des Unterrichtsbeginns eingehen. Zuvor sollte allerdings unbedingt beachtet werden, dass dieser nicht mehr als sieben Minuten überschreiten sollte (allerhöchstens zehn Minuten). Schließlich soll noch genügend Zeit verbleiben, um das eigentliche Thema behandeln zu können. 

Des Weiteren gilt es, die Methoden anhand der jeweiligen Klasse auszuwählen. Schließlich kann eine einzelne Methode eine Vielzahl unterschiedlicher Reaktionen hervorrufen. Um allerdings eine positive Reaktion seitens der Lernenden zu erzeugen, ist es notwendig, die eigene Klasse und deren Vorlieben zu analysieren (da man schließlich mehrmals pro Woche mit einer Klasse arbeitet, weiß man das in der Regel auf Anhieb) und auf deren Ergebnis hin, wählt man idealerweise aus. Ich sage bewusst „idealerweise“, denn selbstverständlich ist es nicht immer möglich, nach Schülerinteresse zu entscheiden. Wenn sich diese Möglichkeit jedoch ergibt, so sollte diese auch genutzt werden. 

Warm-up und lead-in

Es gibt zwei Typen des Unterrichtsbeginns: das „warm-up“ (oder auch „ice breaker“ genannt) und der eigentliche Einstieg („lead-in“). Mitunter werden diese gleichgesetzt. Es gilt jedoch, einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Bezeichnungen zu machen:

Warm-up

Beim ersten Typ, dem „warm-up“, geht es um den Beginn einer Stunde ohne größere Verbindung mit dem eigentlichen Stundenthema. Der Begriff „warm-up“ ist gleichzusetzen mit „aufwärmen“. Ähnlich wie im Sport, „wärmen“ sich die Schüler*innen quasi auf, um anschließend besser für die Arbeit in der jeweiligen Fremdsprache gerüstet zu sein. Beispielsweise kann ein derartiges „warm-up“ das gemeinsame Singen eines Liedes sein („Heads and shoulders, knees and toes…“) oder das gemeinsame Spielen (z.B. „Simon says…“ oder „Ich packe meinen Koffer“). 

Wie bereits durch die nähere Betrachtung des Liedbeispiels klar wird, kann auch ein „warm-up“ einen Bezug zum darauffolgenden Stundenthema haben, wenn hierbei beispielsweise die Bezeichnung von Körperteilen genauer behandelt werden soll. Dies ist auch der Fall bezüglich des „warm-ups“ „How many words can you find?“. Hierbei wird ein Begriff ausgewählt, der im weiteren Unterrichtsgeschehen noch eine wichtige Rolle spielen wird. Auf der Basis der einzelnen Buchstaben des Wortes sollen die Schüler*innen so viele Wörter wie möglich finden. Hierbei wird besonders schön deutlich, dass ein „warm-up“ dennoch eine grobe Verbindung zum eigentlichen Stundenthema haben kann.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, sollten Methoden idealerweise auf Basis des Interesses einer Klasse geschehen. Dies gilt insbesondere für „warm-ups“. Da diese frei ausgewählt werden können, da sie in der Regel wenig mit dem eigentlichen Stundenthema zu tun haben, kann hier tatsächlich basierend auf den Vorlieben der Klasse entschieden werden. 

Des Weiteren zählen auch Rituale zu dieser Kategorie des Stundenbeginns. Rituale sind beispielsweise das stete gemeinsame Singen eines Liedes oder ein Stuhlkreis zu Beginn jeder Stunde / jeder neuen Woche. Rituale bieten Regularität und Sicherheit, insbesondere für schwächere Schüler*innen. Gerade bei jüngeren Lernenden kann sich dies positiv auf deren Verhalten und deren Mitarbeit im Unterricht auswirken.

Der Einstieg oder lead-in

Der Einstieg oder „lead-in“ zielt darauf ab, in das eigentliche Stundenthema einzuführen. Das Wort „lead-in“ selbst kommt aus dem Englischen und bedeutet „einführen“. Das kann über einen Bildimpuls geschehen, aber auch ein Zitat, ein einzelnes Wort für ein Brainstorming, ein Lied, eine Melodie, einen kurzen Videoclip, Realia, einen Screenshot aus dem zu behandelnden Film, das Cover eines Buchs und, und, und. Es gibt wirklich unendlich viele Möglichkeiten, um in ein Stundenthema einzuführen. Es kommt lediglich auf das eigentliche Thema an. Solange der gewählte Einstieg sinnvoll zum Thema der Stunde hinführt, ist er geeignet. Wie aus einigen der genannten Ideen für einen Einstieg bereits deutlich wird, bietet das Material, welches in den an den Einstieg anschließenden Phasen verwendet werden soll, häufig bereits gute Aspekte, die im Einstieg genutzt werden können.

Alle müssen beteiligt werden!

Bei einem Einstieg handelt es sich aber nicht einfach nur um ein bloßes Mittel, um das Interesse der Lernenden zu wecken. Stattdessen ist dies auch ein Weg, um alle Schüler*innen am Unterrichtsgeschehen teilhaben zu lassen. Gerade bei der Beschreibung eines Bildes können in der Regel alle Lernenden etwas sagen. Als Lehrkraft ist es hierbei unsere Aufgabe, gerade die schwächeren und auch die stilleren Lernenden beginnen zu lassen. Die erste Person, die mit der Beschreibung beginnt, hat noch die komplette Auswahl an Details, die es zu benennen gilt, und kann somit genau das sagen, was sie in der Fremdsprache zu formulieren vermag. Auf diese Weise wird niemand bloßgestellt.

Die Schwächeren zuerst

Tunlichst sollte vermieden werden, die stärkeren Schüler*innen zuerst auszuwählen. (Dies gilt natürlich nicht nur im Stundeneinstieg, sondern in jeglicher Phase.) Selbstverständlich kann es einem zunächst schwerfallen, nicht direkt auf die Hände zu reagieren, die sich einem auf die Impulse des Stundeneinstiegs hin entgegenstrecken. Dies ist aber essenziell. Das liegt daran, dass diejenigen, die sich im Stundeneinstieg melden, eigentlich die sind, die weniger Probleme in der Fremdsprache haben. 

Stattdessen gilt es, die Schüler*innen zu finden, die sich zum einen nicht melden oder zusätzlich noch eine Körperhaltung einnehmen, die zeigt, dass sie lieber nicht ausgewählt werden möchten. Davon darf man sich jedoch nicht abschrecken lassen. Es ist von enormer Wichtigkeit, die Lernenden an das regelmäßige Sprechen in der Fremdsprache zu gewöhnen. Wer allerdings nie spricht, wird somit immer größere Probleme haben und über die Zeit hinweg immer mehr gehemmt sein. Genau das gilt es selbstverständlich zu verhindern. 

Die Wahrscheinlichkeit der Beteiligung erhöhen

Laut Recherchen tendiert ein/e Schüler*in, der/die sich im Einstieg bereits einmal beteiligt hat, mit großer Wahrscheinlichkeit dazu, sich im weiteren Verlauf der Stunde noch einmal zu beteiligen. Da die Beteiligung möglichst aller Schüler*innen unser Ziel ist, gilt es somit besonders stark, die schwächeren Schüler*innen im Einstieg zur Beteiligung zu bewegen. 

Hierbei handelt es sich aber nicht nur um bloße Forschungsergebnisse. Ich habe bereits mehrmals in meinem eigenen Unterricht bemerken können, dass die Lernenden, die ich zu Beginn einer Stunde ausgewählt haben, ein gesteigertes Interesse zeigen, sich erneut zu beteiligen. Meiner Ansicht nach resultiert dies daraus, dass, vorausgesetzt die Antwort ist richtig, dies das Selbstvertrauen der Lernenden steigert. Anschließend an dieses Erfolgserlebnis scheinen sich sich mehr zuzutrauen. Über einen längeren Zeitraum hinweg, kann dies zu enormen Fortschritten führen.

Vorwissen und Erwartungen

Neben der wahrscheinlichen Steigerung der Beteiligung bietet der Unterrichtseinstieg auch noch weitere Vorteile. Dieser aktiviert nämlich in der Regel auch das mögliche Vorwissen der Schüler*innen. Wird im Einstieg beispielsweise ein Bild behandelt, welches einen Roboter in Aktion zeigt, so wird sich fast automatisch das Vorwissen über Roboter, Maschinen im allgemeinen, Aspekte aus Filmen und eventuell auch künstliche Intelligenz einstellen.

Zudem werden die Lernenden selbstverständlich eine gewisse Erwartungshaltung einnehmen. Die nämlich, dass im weiteren Unterrichtsgeschehen vermehrt über Roboter gesprochen wird. Ob sie dem Thema nun positiv oder negativ gegenüber stehen, ist dabei unerheblich. Zentral ist, dass die Schüler*innen mental auf das eigentliche Stundenthema vorbereitet werden. Dadurch wird sich mit Sicherheit das Verständnis der Unterrichtsstunde steigern.

Fazit 

Abschließend lässt sich noch einmal festhalten, dass es sich beim Unterrichtsbeginn um einen sehr wichtigen Aspekt des Unterrichtsgeschehens handelt. Dieser kann sowohl aus „Aufwärmübungen“ bestehen („warm-up“), aber auch direkt auf die Vorbereitung des eigentlichen Stundenthemas abzielen („Einstieg“ oder „lead-in“). Nicht nur wird auf den Gebrauch der Fremdsprache hingearbeitet, auch dient der Unterrichtsbeginn zur Steigerung der Partizipation im weiteren Unterrichtsgeschehen. 

Auf Basis dieser vorteilhaften Aspekte zeigt sich deutlich, wie wichtig der Unterrichtsbeginn ist. Anstatt also bloß mit dem Vergleich der Hausaufgaben oder der Wiederholung der Stundeninhalte der vorangegangenen Stunde zu beginnen, sollte also besser stets mehr Reflexion für jede einzelne Unterrichtsstunde geschehen. Selbstverständlich ist es nicht verkehrt, mitunter auf die beiden zuvor genannten Weisen zu beginnen. Auch bin ich mir dessen bewusst, dass manchmal auch einfach nicht die Zeit zur Verfügung steht, um lange vorauszuplanen oder aber auch im Unterricht selbst, um ein Thema ausgiebig zu behandeln, wenn zuvor noch Zeit durch einen Einstieg „verloren geht“. Wenn allerdings die Möglichkeit besteht, dann sollte dennoch immer zu einem Beginn in Form eines „warm-ups“ oder eines „lead-ins“ gegriffen werden.