Die Motivation ist wie ein zweischneidiges Schwert: Sie kann uns erheblich dabei helfen, Entscheidungen und Wünsche in die Tat umzusetzen, doch wenn sie fehlt, kann uns dies umgekehrt stark in unserem Bestreben behindern. Aufgrund dieser Flüchtigkeit und Unzuverlässigkeit scheint die Motivation in letzter Zeit erheblich in Verruf geraten zu sein. Stattdessen wurde zuletzt deutlich mehr auf Disziplin sowie Systeme und Strategien gesetzt.
Motivation wird auch als eine Ressource bezeichnet, die schnell erschöpft ist. Wer auf sie wartet, bevor er etwas beginnt, der hat eigentlich schon so gut wie verloren, hört man vielerorts, insbesondere in den sozialen Medien. Deshalb war ich umso überraschter, als der Verlag Klett vergangene Woche ein Webinar zum Thema Motivation beim Sprachenlernen anbot.
Sprachenlernen als etwas Messbares
Was mir nicht bewusst war, aber was sich mir im Rahmen des Webinars erschloss, war die Tatsache, dass wir während der Ausbildung zu Fremdsprachenlehrkräften darauf hin ausgebildet werden, die Sprache insbesondere auf akademische Art zu behandeln. Laut des Sprechers (Luis Javier Pentón Herrera, Ph.D., D.Litt (Hab.)) läge dies daran, dass dies einfacher zu messen und zu bewerten sei. Noch dazu wären Methoden, Strukturen und Resultate leichter zu lehren. Die menschliche Komponente werde dabei hingegen vielfach völlig außer Acht gelassen.
Motivation als Brücke
Dabei sei die Motivation für unsere Fremdsprachenlerner*innen sehr wichtig. Denn laut des Redners, handelt es sich bei der Motivation um etwas Hilfreiches im Rahmen des Erwerbs einer Fremdsprache. Er beschrieb diese als eine Art Brücke, von der Intention hin zur Ausführung. Es ist der innere (intrinsische Motivation) oder äußere (extrinsische Motivation) Antrieb, Maßnahmen zur Erreichung eines Ziels einzuleiten und auch aufrechtzuerhalten. Bei der Disziplin handelt es sich dabei um das Mittel um das Verhalten zu regulieren.
Die Motivation determiniere, wie viel Mühe die Schüler*innen bereit sind, in ihre Arbeit zu stecken – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Klassenzimmers. Auch beeinflusst diese das Durchhaltevermögen: ob die Lerner*innen trotz Schwierigkeiten, Langeweile und/oder Fehlern weitermachen. Ideal ist hierbei die intrinsische Motivation, da diese aus dem inneren heraus kommt.
Was demotiviert Schüler*innen?
Ich denke, wir alle haben es schon mit Lehrkräften zu tun gehabt, deren Art zu unterrichten uns einfach nicht zusagte – selbst dann, wenn die Person selbst vielleicht eigentlich ganz in Ordnung war. Als Lehrkräfte müssen wir uns deshalb bewusst sein, dass wir einen erheblichen Einfluss auf die Motivation und die Lernbereitschaft unserer Schüler*innen haben. Dabei geht es darum, Faktoren wie:
- Sprachenangst (das hat insbesondere mit Versagensängsten zu tun),
- ein mangelndes Selbstwirksamkeitsgefühl (die Einschätzung einer/s Lernenden hinsichtlich der eigenen Fähigkeit, eine Aufgabe zu bewältigen; stark verbunden mit einem geringen Selbstwertgefühl),
- unklare Ziele (sind diese nicht klar genug, fällt es den Lernenden schwer, sich anzustrengen)
- ein langsamer sichtbarer Fortschritt,
- …
zu beachten, angemessen auf diese zu reagieren und diese idealerweise aus dem Weg zu schaffen.
Was tun?
Was den Schülern*innen dabei helfen kann, weiter bei der Stange zu bleiben, sind kleine wiederholte Erfolge. Diese können dann wiederum zu einer Motivationssteigerung führen. Diese ist insbesondere für Lerner*innen auf Beginnerniveau wichtig. Denn diese machen natürlich viel öfter Fehler und sehen oftmals nur kleine Fortschritte, was diese stark demotivieren kann.
Laut des Sprechers sei es wichtig, auch die Art zu verändern, wie die Schüler*innen zu sich selbst sprechen. Man müsste diese hin zu einem positiven Selbstgespräch führen. Anstatt beispielsweise zu sagen „Ich kann das nicht.“, sollte die Betonung stattdessen auf dem „noch“ liegen: „Ich kann das noch nicht.“ Es gelte, ein Wachstumsdenken (auf Englisch: „growth mindset“) zu entwickeln. Es sei wichtig zu verstehen, dass man sich entwickeln kann.
Laut des Sprechers seien unter anderem folgende Wege hilfreich:
- Schülern*innen bei der Zielsetzung unterstützen: neben langfristigen Zielen sollten auch konkrete, erreichbare kurzfristige Ziele gesetzt werden.
- Dabei könnten folgende Methoden helfen:
- „Letter to My Future Self“: auf der Seite https://www.futureme.org/ kann man einen Brief (mehr eine E-Mail) verfassen, der einem zum gewünschten Datum zugestellt wird. In diesem könnten die Schüler*innen darüber sprechen, was sie zu diesem Zeitpunkt erreicht haben möchten.
- ein „Language Learning Vision Board“ in welchem die Sprachziele gesammelt werden (z.B. auf Canva)
- ein „Tagebuch“, in welchem die Lernenden die Dinge notieren, die sie in der Fremdsprache bereits (ausdrücken) können.
- Dabei könnten folgende Methoden helfen:
- Auswahl: Es sei auch hilfreich, den Schülern*innen die Möglichkeit zu geben, zwischen Aufgabentypen, Themen und Geschwindigkeit zu wählen. Dies würde intrinsische Motivation hervorrufen, da Auswahl das Streben nach Selbstbestimmung erfülle. Das kann beispielsweise folgendermaßen formuliert werden: „Um diese Aufgabe zu erledigen, kannst du einen Blogeintrag schreiben, eine Sprachnotiz aufnehmen oder ein kurzes Video erstellen.“
- Über Gefühle sprechen: Ein weiterer Punkt sei noch dazu, den Schülern*innen dabei zu helfen, mit Frustration im Lernprozess umzugehen. Dabei könnte beispielsweise – gerade bei Anfängern*innen – eine Aktivität namens „Was fühle ich gerade?“ helfen. Durch das Ausdrücken ihrer Gefühle, könnten die Lernenden besser verstehen, was diese auslöst und besser darauf reagieren.
Abschließend…
Was ich durch die Teilnahme an diesem Webinar gelernt habe ist, dass die Motivation an sich nichts Schlechtes ist. Wer privat etwas lernen möchte, der sollte meiner Meinung nach tatsächlich nach einer anfänglichen Abhängigkeit von Motivation mehr auf Strategien und Systeme bauen. In unseren Klassenzimmern können wir jedoch nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Schüler*innen ebenfalls auf diese Art funktionieren. Das Ziel ist es, ihnen den bestmöglichen Weg zu zeigen, um am Ball zu bleiben und mit Frustration beim Erlernen der Fremdsprache umzugehen. Schließlich ist Sprachenlernen kein Rennen. Es ist eine Reise.
Abbildungsverzeichnis:
- Abbildung 1: „Motivation als Brücke“, eigene Darstellung auf Basis der Quelle: https://www.freepik.com/free-ai-image/enchanted-forest-bridge-background_405235240.htm (Zugriff: 04.04.2026)

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