Im Ausnahmezustand. So und nicht anders kann ich mein Leben derzeit nur beschreiben. Der Duden definiert den Begriff Ausnahmezustand folgendermaßen: ein „außergewöhnlicher, unüblicher, eine Ausnahme darstellender Zustand“.

Worum es geht? Seit drei Wochen arbeite ich wöchentlich fast 60 (!) Stunden für die Schule. Sechzig Stunden!!! Da es aber bereits seit drei Wochen so geht, frage ich mich, ob man hier noch von einer Ausnahme sprechen kann. Denn ein Ende ist noch nicht wirklich in Sicht.

Auf die Dauer nicht möglich

Dass das alles zu viel ist, ist nur logisch. Das merke ich nicht nur an meinem derzeitigen dauerhaften Erschöpfungszustand. Wie es nicht anders sein konnte, haben sich nach einer Weile auch die ersten Krankheitssymptome bemerkbar gemacht. Seit vergangenem Samstag plage ich mich nun auch noch mit einem grippalen Infekt herum. Echte Zeit zum Ausruhen habe ich aber nur an jenem Wochenende gefunden. Danach hieß es dann auch schon wieder arbeiten, um all die zu erledigenden Dingen zu schaffen.

Gerade durch das Ende des Trimesters – Notenschluss war am vergangenen Sonntag – und die damit verbundene Arbeit wurde die Zeit nochmal doppelt anstrengend. Der Abschluss eines Trimesters bedeutet zum einen, die letzten Klassenarbeiten/Klausuren schreiben zu lassen und zu korrigieren sowie mündliche Noten zu verteilen – das wird nicht verlangt, ich tue es aber dennoch, um den Schülern*innen auch widerzuspiegeln, dass sich eine aktive mündliche Beteiligung und die im Unterricht erforderliche Aufmerksamkeit rechnen. Zum Anderen müssen auch Zeugniskommentare geschrieben werden. Und das für jede einzelne Person. Bei meinen derzeit 173 Schülern*innen nimmt auch dies natürlich sehr viel Zeit in Anspruch. 

Zu „guter“ Letzt folgen auf die Fertigstellung der Noten und der Zeugniskommentare auch noch die Zeugniskonferenzen. Anstatt diese um eine humane Zeit stattfinden zu lassen – schließlich soll man am nächsten Tag ja wieder unterrichten -, sind diese zwischen 17 und 20 Uhr anberaumt. Wer also Konferenzen von 19 bis 20 Uhr erwischt hat, ist echt gekniffen. Und wie konnte es nicht anders sein: Dieses Mal musste ich genau diesen Zeitraum erwischen…

Und dann ging gar nichts mehr

Am vergangenen Donnerstag fand ich mich also von 7 Uhr – Unterrichtsbeginn ist um 7:30 Uhr. – bis 20:15 Uhr in der Schule wieder. Um mit meinen Arbeiten voranzukommen, blieb ich in den freien Stunden in der Schule. Sowieso schon durch meinen grippalen Infekt gebeutelt, war ich abends natürlich ausgesprochen erschöpft. Dass wir Lehrkräfte aber auch ausreichend Zeit zum Ausruhen brauchen, scheint der Schulleitung nicht in den Sinn zu kommen.

Am Folgetag sollte ich also bereits wieder um 7:30 Uhr zum nächsten Unterricht antreten. Und dabei sind meine Freitage alle zwei Wochen sowieso viel zu lang: von 7:30 Uhr bis 17:00 Uhr. An diesen Tagen habe ich nach der ersten Stunde eine und nach der dritten Freistunde noch einmal zwei Freistunden. Dennoch schlauchen diese Tage sehr. Auch gestern wäre dies so gewesen. Im Anschluss daran sollte ich jedoch auch noch an zwei Notenkonferenzen – von 18:00 bis 20:00 Uhr – teilnehmen.

Gestern wäre ich also 13 Stunden lang in der Schule geblieben. Ist das normal? Ich finde nicht.

Anscheinend empfand dies auch mein Körper so. Denn gestern, während der ersten Unterrichtsstunde, musste ich erschreckend feststellen, dass mit einem Mal mein Gesichtsfeld gestört war. An den Rändern bemerkte ich ein Flimmern und auch einige Sterne. Ich konnte den Unterricht dann noch zu Ende bringen und bin daraufhin in meiner Freistunde zur schuleigenen Krankenschwester. Diese hat mich daraufhin nach Hause geschickt, mit dem Rat, mich auszuruhen und einen Arzt aufzusuchen.

Es war also deutlich zu viel für meinen Körper. Bedeutsam war auch, dass ich mich trotz mehrfachen Schlafens an diesem Tag auch abends nicht besser fühlte. Wie hätte ich da noch bis um 20 Uhr aktiv in der Schule sein können?

Kein Wunder

Insgesamt ist es nicht verwunderlich, dass ich dieses Jahr soviel mehr mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe als im Vorjahr. Schließlich habe ich zwei Klassen mehr. Das bedeutet 4,5 Stunden mehr Unterricht pro Woche. Das macht einen deutlichen Unterscheid aus.

All die nötigen Arbeiten zu meiner persönlichen Zufriedenheit ausführen zu können, schaffe ich derzeit kaum.

Natürlich wird dieses Mehr an Arbeit bezahlt. Was bringt mir das aber, wenn ich gar keine Zeit habe, um dieses Geld auch auszugeben? An private Aktivitäten zu denken ist kaum noch möglich.

Heute fühle ich mich nur wenig besser als gestern. Ich hoffe, dass mich ein Ausruhen an diesem Wochenende wieder auf die Beine bringen wird. Zum Glück habe ich montags keinen Unterricht. Das verschafft mir drei Tage Wochenende.

Konsequenzen für Lærari

Insgesamt wünsche ich mir, wieder mehr Zeit für mich und meine Hobbys zu haben. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass ich kaum gegen die Flut an Arbeiten ankomme.

Seit ich vor zwei Jahren mit dem Schreiben auf diesem Blog begonnen habe, ist es mir noch nie untergekommen, dass ich keine Zeit hatte, um einen Artikel zu schreiben und zu veröffentlichen.

Und dann kam dieses neue Schuljahr. Ich bin gefühlt am Dauerarbeiten. Und selbst die vergangenen Ferien haben mir nicht sonderlich geholfen, um Herr über meine Arbeiten zu werden.

Aus diesem Grund habe ich die vergangenen beiden Samstage das erste Mal seit Bestehen dieser Website keinen Artikel veröffentlicht. Ich arbeitete soviel, dass ich im Anschluss daran verständlicherweise keinerlei Energie und auch Muße mehr hatte, um einen Artikel schreiben zu können. Und das hat mir wehgetan. Denn, wie ich bereits in einem vorhergehenden Artikel beschrieb, tut mir das Schreiben auf Lærari gut (Lesen Sie hierzu: „Happy Birthday! – Lærari wird 2 Jahre alt!“). Es ist meine Zeit für mich. Und diese wurde mir durch das viele Arbeiten gänzlich genommen.

Abschließend…

Eigentlich sollte das Arbeiten doch dazu dienen, leben zu können. Denn wie heißt es noch so schön: Wir leben nicht, um zu arbeiten. Wir arbeiten, um zu leben. Derzeit sehe ich jedoch in meinem Leben eher das Gegenteil. Zeit für Privates habe ich in letzter Zeit kaum oder keine gehabt.

Licht am Ende des Tunnels sehe ich dabei auch nicht so wirklich. Denn, obwohl die Notenkonferenzen in der nächsten Woche vorbei sein werden, die zusätzlichen Unterrichtsstunden werden nicht verschwinden. Im Moment kann ich nicht sagen, wie sich das Schuljahr in der nächsten Zeit entwickeln wird. Ich möchte auch nicht mehr über meine Hoffnungen sprechen, denn so langsam gebe ich die Hoffnung auf, in Zukunft mehr Zeit für mich zu haben. Auf jeden Fall werde ich Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten.